Archivierter Artikel vom 12.07.2010, 10:54 Uhr
Frankfurt

Fans am Flughafen enttäuscht: DFB-Tross mogelt sich durch

Während der WM eroberte sich das DFB-Team nicht nur auf dem Feld Sympathien. Unweit vom Flugfeld hat der deutsche Tross davon einige wieder verspielt – an die Fans hat keiner gedacht.

Immerhin: Flughafenmitarbeiter konnten den DFB-Tross mit Beifall begrüßen. Fans, die dafür eigens an den Flughafen gekommen waren, bekamen dagegen niemanden zu Gesicht. Foto: dpa
Immerhin: Flughafenmitarbeiter konnten den DFB-Tross mit Beifall begrüßen. Fans, die dafür eigens an den Flughafen gekommen waren, bekamen dagegen niemanden zu Gesicht.
Foto: dpa

Frankfurt – Während der WM eroberte sich das DFB-Team nicht nur auf dem Feld Sympathien. Unweit vom Flugfeld hat der deutsche Tross davon einige wieder verspielt – an die Fans hat keiner gedacht.

Kleine Kinder mit leuchtenden Augen, Senioren, Menschen, die vor der Arbeit extra-früh an den Flughafen gefahren waren: Sie waren vergebens an den Frankfurter Flughafen gekommen. Vom deutschen Tross zeigte sich niemand, und so war für manche der einzige Trost, dass auch die Musikcombo Uwu Lena vergebens aus Münster gekommen war und mit den Fans ihr „Schland o Schland“ anstimmte. “Die haben sich die Stimmen aus dem Leib gesungen“, berichtet etwa der Mainzer Andreas Toschka, der auch extra früh aufgestanden war. „Die Leute waren trotzdem sehr enttäuscht, dass vom DFB nichts kam.“ Uwu Lena, die auch nicht zur Begürßung durften, weil das laut Lufthansa vom DFB nicht gewünscht war, warben professionell um Verständnis: „Die Spieler haben sich den Urlaub verdient.“

Damit argumentierte auch die Pressestelle auf Anfrage unserer Zeitung: „Es war der Wunsch der Spieler, einige sind ja auch gleich um 7.30 Uhr in den nächsten Flieger in ihren Urlaub gestiegen“, so Sprecher Klaus Koltzenburg. Dafür zeigten die Wartenden auch Verständnis – nicht aber dafür, dass sich auch sonst niemand aus dem Tross des größten Sportverbands der Welt zeigte. „Die Spieler und wir haben die Fans nicht gesehen“, ist die einzige Antwort, die auch auf mehrmalige Nachfrage aus der Pressestelle kommt. „Da, wo Frau Roth war, waren keine.“ Wenig verwunderlich, wartete die Frankfurter Oberbürgermeisterin doch im VIP-Bereich. Und dass bei der Rückkehr von einem erfolgreich absolvierten Turnier Fans am Flughafen nicht nur im VIP-Bereich warten, dürfte der Deutsche Fußball Bund eigentlich aus Erfahrungen der Vergangenheit gewusst haben … Worte des Bedauerns kamen aus der Pressestelle nicht.

500 Anhänger standen laut Pressestelle des Flughafens erwartungsfroh am Terminal, einige Teilnehmer schätzen die Zahl höher. Als um 6.16 Uhr die Nachricht von der Landung der Maschine kam, kam dort merklich Unruhe auf. Über Lautsprecherdurchsage informierte der Flughafen dann aber, dass das DFB-Team nicht zu dem Ausgang kommen wird. Es sollte die einzige Information an die Fans bleiben.

Nachdem der DFB mit seinem Twitteraccount @dfb_Team mit Eindrücken und Grüßen der Spieler aus Südafrika in dem Sozialen Netzwerk Punkte gesammelt hat, stößt dort jetzt die Reaktion am Flughafen sauer auf: „Ein Twitteraccount macht halt noch keinen Sommer in der Kommunikation mit der Fan-Gemeinde“, kommentiert das etwa Blogger Karl Keule in seinem Blog. „Wie der DFB mit seinen Fans umgeht, empfinde ich als Frechheit. Es ist ein Schlag in das Gesicht eines jeden angereisten Fans.“

Die Fußball-Profis und ihr Verhältnis zu den Fans sind auch Thema im Blog von Sportchef Stefan Kieffer.