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Idar-Oberstein

Chefarzt Prof. Klein: Ein Ritterschlag für unsere Arbeit

Ein herausragendes Ergebnis erzielte die kardiologische Abteilung im Klinikum Idar-Oberstein bei einer AOK-Untersuchung: Sie schnitt als Beste in Rheinland-Pfalz bei Herzkatheteruntersuchungen ab. "Das ist ein Ritterschlag für unsere Arbeit", freut sich Chefarzt Prof. Dr. Hermann Hubert Klein im Gespräch mit der Nahe-Zeitung.

Für den Chefarzt Prof. Dr. Herman Hubert Klein ist das Vertrauen des Patienten das höchste Gut. Dass diese Einstellung durch das Ergebnis der AOK-Studie honoriert wird, freut den Kardiologen sehr.  Foto: Reiner Drumm
Für den Chefarzt Prof. Dr. Herman Hubert Klein ist das Vertrauen des Patienten das höchste Gut. Dass diese Einstellung durch das Ergebnis der AOK-Studie honoriert wird, freut den Kardiologen sehr.
Foto: Reiner Drumm

Überrascht Sie dieses Ergebnis?

Ich bin insofern überrascht, als ich erst jetzt davon erfahre. Natürlich wusste ich, dass wir etwas anders sind als viele unserer Kollegen. Ich konnte aber wirklich nicht damit rechnen, dass unser Streben nach Qualität von der AOK entdeckt und veröffentlicht werden wird.

Inwiefern arbeiten Sie in IdarOberstein anders?

Seit 1983 arbeite ich im Herzkatheterlabor, seit 1995 in Idar-Oberstein. Wir führen durchschnittlich im Jahr etwa 1000 Herzkatheteruntersuchungen und 240 PCIs durch. Die SHG als Träger hat uns niemals Zahlen vorgegeben, die im Katheterlabor zu erreichen sind. Nur die medizinische Indikation und das Wohlergehen des Patienten sind die Grundlagen unserer Entscheidungen. Liegt ein Befund am Herzen vor, der sinnvollerweise durch eine Bypass-Operation besser versorgt werden kann als durch eine PCI, wird der Patient zur Operation vorgestellt. Das Beste und Notwendige für den Patienten ist für uns das Kriterium für Entscheidungen, nichts anderes. Diese Philosophie vereint alle Mitarbeiter der Abteilung.

Apropos Zahlen. Wenn man in die Liste schaut, fällt auf, dass ihre Klinik zu den kleinen zählt. Sonst heißt es ja immer, man soll als Patient dorthin gehen, wo die meisten Eingriffe getätigt werden.

Die Zahl der Eingriffe sagt nicht unbedingt etwas über die Qualität aus. Große können ein gutes und schlechtes Niveau haben, ebenso Kleine. Wir fühlen uns der hiesigen Bevölkerung so verbunden, dass wir alles daransetzen, das Vertrauen der Patienten zu rechtfertigen. Die Eingriffe, die wir durchführen, können wir mindestens so gut wie andere, größere Kliniken. Aufwendige, seltene Eingriffe führen wir nicht durch. Hier hätten wir kein vergleichbar gutes Niveau. Für solche ausgefallenen Maßnahmen werden die Patienten verlegt.

Es gibt ja Dutzende Best-of-Listen. Wie schätzen sie diese ein?

Das Neue daran ist, dass Patienten bei der AOK-Untersuchung über einen längeren Verlauf begleitet wurden. Bei anderen Qualitätserhebungen interessiert es nicht, was nach dem Verlassen des Krankenhauses passiert. In der "Focus"-Hitliste stehen die technischen Möglichkeiten der Abteilung und der wissenschaftliche Ruf des leitenden Arztes im Vordergrund. Ob davon ein Patient profitiert, ist völlig unklar. Die AOK-Erhebung gehört zur Versorgungsforschung. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Insofern bedeutet diese Studie einen wirklichen Fortschritt. Ein großes Problem aller Statistiken ist jedoch, dass man davon ausgeht, dass Patienten in allen Kliniken gleich krank waren. Das ist aber sicherlich nicht der Fall. So muss man auch diese AOK-Erhebung mit einer gewissen Zurückhaltung interpretieren. Es ist auch nicht ganz klar, ob man die vier ausgewählten Qualitätsindikatoren als gleich wichtig zu werten hat. Persönlich finde ich den Qualitätsparameter "Komplikationen innerhalb von 30 Tagen nach dem Eingriff" als den wichtigsten.

Erwarten Sie jetzt einen Run auf die kardiologische Klinik?

98 Prozent unserer Patienten kommen aus der Region, die kommen hierher, weil es nahe liegt und weil sie sich gut versorgt wissen. Daran wird sich auch nach der Veröffentlichung dieser Liste wahrscheinlich nicht grundlegend etwas ändern. Ich persönlich würde übrigens nie nach Statistiken entscheiden, ich würde immer dahin gehen, wo ich Vertrauen zu dem behandelnden Arzt habe. Das Vertrauen des Patienten ist für mich als Arzt das höchste Gut. Persönlich versuche ich immer, diesem Vertrauensvorschuss gerecht zu werden.

Zwar wird die Herzkatheteruntersuchung ohne Vollnarkose gemacht, trotzdem haben viele Patienten Angst davor.

Die Angst kann ich ihnen auch nicht nehmen. Man kann ein Risiko nicht runterspielen. Wenn man bei der Aufklärung unterschreibt, dass man bei so einer Untersuchung sterben oder einen Schlaganfall erleiden kann, ist das hart. Zumal man zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, wie krank man ist. Es hilft weder mir noch dem Patienten, dass bei 5000 anderen nichts passiert ist. Was zählt, ist immer der Patient, der gerade dran ist.

So eine Untersuchung muss immer gut ausgehen.

Ja, das sind manchmal große Herausforderungen. Nicht immer ist der Zugang zur Arterie leicht zu finden. Auch im Gefäßsystem finden sich manchmal unerwartete Befunde. Man muss hoch konzentriert sein, auf alles achten und zusätzlich dem Patienten Sicherheit geben. Ich unterhalte mich während des Eingriffs fast immer mit den Patienten. Dadurch entsteht ein ganz intimes Verhältnis. Zuschauer, die nicht vom Fach sind, würde ich dabei nur als störend empfinden.

Die Fragen stellte Gabi Vogt

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