Archivierter Artikel vom 26.05.2010, 16:22 Uhr
Riad

Busfahrer will gestillt werden

Ein Busfahrer hat in Saudi-Arabien eine Lehrerin aufgefordert, ihm die Brust zu geben. Der Ägypter berief sich dabei auf ein islamisches Rechtsgutachten („Fatwa“) von Scheich Abdul Mohsen al-Obeikan, einem Berater am Hof von König Abdullah. Der Religionsgelehrte hatte kürzlich in einer Fernsehsendung erklärt, im Islam sei es Frauen gestattet, einem fremden Mann, der regelmäßig ihr Haus betritt, Muttermilch zu geben. Er sagte, dadurch würde dieser Mann für sie dann wie ein Verwandter, so dass es keine Probleme mehr mit der in Saudi-Arabien vorgeschriebenen Geschlechtertrennung gebe...

Riad – Ein Busfahrer hat in Saudi-Arabien eine Lehrerin aufgefordert, ihm die Brust zu geben. Der Ägypter berief sich dabei auf ein islamisches Rechtsgutachten („Fatwa“) von Scheich Abdul Mohsen al-Obeikan, einem Berater am Hof von König Abdullah.

Der Religionsgelehrte hatte kürzlich in einer Fernsehsendung erklärt, im Islam sei es Frauen gestattet, einem fremden Mann, der regelmäßig ihr Haus betritt, Muttermilch zu geben. Er sagte, dadurch würde dieser Mann für sie dann wie ein Verwandter, so dass es keine Probleme mehr mit der in Saudi-Arabien vorgeschriebenen Geschlechtertrennung gebe.

Im Islam ist die Heirat zwischen Menschen untersagt, „die durch die Muttermilch verbunden sind“. Das bedeutet zum Beispiel auch, dass ein Mann eine Frau, die als Kind von der gleichen Amme gestillt wurde, nicht heiraten darf.

Das saudische Nachrichtenportal „Sabq“ meldete am Dienstagabend, die Lehrerin, die sich zusammen mit einigen Kolleginnen täglich von dem Ägypter zur Arbeit fahren ließ, sei sehr wütend geworden, als der Busfahrer sie gefragt habe: „Was hältst du eigentlich davon, mich zu stillen?“. Die Frau sagte einem „Sabq“-Reporter, sie wolle den älteren Mann nun anzeigen, obwohl dieser später behauptet hatte, er habe nur einen Witz machen wollen.

Der Scheich hatte – nachdem seine „Fatwa“ von vielen Saudis kritisiert worden war – präzisiert: Fahrer und männliche Hausangestellte seien von dieser Regel ausgenommen. Außerdem schlug er vor, der fremde Mann solle die Milch nicht direkt aus der Brust saugen. In Saudi-Arabien, wo eine strenge Interpretation des Islam Staatsreligion ist, ist der Kontakt zwischen Männern und Frauen, die nicht miteinander verwandt oder verheiratet sind, verboten. Unter Berufung auf die Tradition hat der Staat außerdem ein Fahrverbot für Frauen verhängt. Das veranlasste nun einige Frauen zu der Frage „Warum sollen wir Männer stillen, dürfen aber nicht Auto fahren?“.

Ähnlich wie der saudische Scheich hatte sich 2007 bereits ein Religionsgelehrter der Islamischen Universität Al-Azhar in Kairo geäußert. Er rief damals in Ägypten Empörung hervor, als er vorschlug, muslimische Frauen sollten ihre männlichen Kollegen stillen.

Die Diskussion um das „Stillen von Erwachsenen“ geht auf einen überlieferten Ausspruch des Propheten Mohammed zurück. Er soll einer Frau geraten haben, einen jungen Mann, den ihr Ehemann wie einen Sohn behandelte, zu stillen. Danach könne sie sich vor dem jungen Salim im Haus auch unverschleiert zeigen, ohne dadurch das Missfallen ihres Mannes Abu Hudhaifa zu erregen. Unter islamischen Theologen ist bis heute umstritten, ob Mohammed dies nur für diesen speziellen Fall anordnete oder ob sich daraus eine allgemeine Regel ableiten lässt.