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Bad Ems

100 Jahre danach: Erinnerungen an den Krieg

Ein Kurzfilm im Stadtmuseum zeigt Bad Ems friedlich und von seiner besten Seite: Kurgäste schlendern durch die Straßen der Stadt, jeder sein Glas Heilwasser in der Hand. Oskar Barnack, der Erfinder der Leica-Kamera, hat den Film gedreht, als er im Sommer 1914 die Kurstadt besuchte. "Das Faszinierende ist, dass die Leute da flanieren und nicht wissen, dass bald der Krieg ausbricht", sagt Museumsleiter Hans-Jürgen Sarholz über die Aufnahme.

In einem der zahlreichen Züge, die während des Ersten Weltkriegs Richtung Front unterwegs waren, saß auch Karl Goebel. Sein Vater, ein Fotograf aus Bad Ems, machte dieses Bild eines Soldatenzuges, der durch den Emser Hauptbahnhof rollt. Archivbild: Stadtmuseum Bad Ems
In einem der zahlreichen Züge, die während des Ersten Weltkriegs Richtung Front unterwegs waren, saß auch Karl Goebel. Sein Vater, ein Fotograf aus Bad Ems, machte dieses Bild eines Soldatenzuges, der durch den Emser Hauptbahnhof rollt. Archivbild: Stadtmuseum Bad Ems

Von unserer Reporterin Cordula Sailer

Kurze Zeit später sollten es einige Gäste sehr eilig haben, Bad Ems zu verlassen: wie beispielsweise ein Rittmeister, der im Juli 1914 in der Stadt war. Vor der Abreise wollte er noch sein Hemd in der Wäscherei von Marie Weisbrod abholen. Aber diese hatte es noch nicht frisch gewaschen und gebügelt parat. "Da hat er gesagt: ‚Macht nichts, das können Sie hierbehalten. Der Krieg ist ja bald vorbei, dann komme ich es abholen’", erzählt Sarholz.

Doch der Erste Weltkrieg dauerte bekanntermaßen gut vier Jahre. Und das Hemd blieb in Bad Ems – bis zum heutigen Tag. Bis Ende Juli ist es nun Teil einer Ausstellung zum Ersten Weltkrieg, die am heutigen Dienstag im Stadtmuseum eröffnet wird. Alte Zeitungsartikel, Schwarz-Weiß-Fotos, Feldpost oder auch Schulchroniken sollen einen Einblick geben, wie Menschen aus der Region den Krieg zu Hause und an der Front erlebt haben. So werden etwa die Schicksale der Soldaten Wilhelm Fischbach aus Dausenau und Karl Goebel aus Bad Ems nachgezeichnet.

Karl Goebel, Sohn des Fotografen Julius Goebel, wurde 1892 in Bad Ems geboren. Der junge Mann und sein Bruder Erich wurden als Soldaten in Frankreich eingesetzt. Während seiner Militärausbildung sowie später von der Westfront schickte Goebel regelmäßig Briefe an seine Familie. Wolfgang Hofmann aus Diez hat die Schreiben seines Großonkels säuberlich abgetippt und in zwei Ausgaben der "Bad Emser Hefte" publiziert.

Zu Kriegsbeginn zeigte sich Karli – wie er seine Briefe stets unterzeichnete – noch euphorisch: "... ich gehe gern & ebenso Erich, denn wir kämpfen mit geistiger Kraft für Freiheit und für unser deutsches Recht", schreibt er im August 1914. Doch als Goebel Richtung Front unterwegs ist, kommen ihm Zweifel. Der junge Maler fühlt sich mehr in der Kunst als im Schützengraben beheimatet: "Das Vaterland – das Heimatgefühl hat mich getrieben Soldat zu werden [...]

Es bliebe nur noch die Frage ob ich nicht mehr leisten würde nicht besser für die Fühlbarwerdung deutschen Geistes eintreten könnte im Frieden, in der Kunst. [...] Sollte ich auf dem Schlachtfeld fallen, so werde ich fallen in dem Bewußtsein für edlen deutschen Geist zu fallen, vielleicht mit dem Vorwurf, der Anklage gegen das Gesetz das den Künstler immer verhindern wird rein künstlerisch und & menschlich natürlich zu sein." Und Karl Goebel sollte tatsächlich im Krieg sterben – mit 23 Jahren. Am Ostermontag 1915 traf ihn ein tödlicher Schuss nahe des französischen Orts Chilly.

Rhein-Zeitung, 8. Juli 2014

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