Kohlers Kolumne: Bloß nicht in Rückstand geraten

Das fußballerische Niveau dieser EM lässt nach meiner Auffassung weiterhin zu wünschen übrig. Nach wie vor sehe ich keine Mannschaft, die diesem Turnier ihren Stempel aufdrückt. Was allerdings die Spannung betrifft, so bleiben beim Wettstreit in Polen und der Ukraine keine Wünsche offen.

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Das fußballerische Niveau dieser EM lässt nach meiner Auffassung weiterhin zu wünschen übrig. Nach wie vor sehe ich keine Mannschaft, die diesem Turnier ihren Stempel aufdrückt. Was allerdings die Spannung betrifft, so bleiben beim Wettstreit in Polen und der Ukraine keine Wünsche offen. Da genügt ein Blick auf die beiden Halbfinal-Partien. Da ist für alle vier Mannschaften alles drin – auch wenn ich meine klaren Präferenzen habe.

Obwohl die Italiener sicher ein höchst unbequemer Gegner sind, so hat die deutsche Mannschaft fraglos die Qualität, dieses Mal den ersten Sieg in einem Turnierspiel gegen die Azzurri zu landen. Deutschland gegen Italien – das war schon immer ein zähes Ringen. Ich erinnere mich noch gut an das EM-Auftaktspiel 1988. Ich musste mich mit Gianluca Vialli auseinandersetzen. Das war ein harter Kampf – wie die gesamte Begegnung. Das 0:0 in einem Spiel mit nur wenigen Chancen ging damals in Ordnung.

Ich denke, dass Joachim Löw gut daran tut, Marco Reus in der Mannschaft zu belassen. Vielleicht wechselt der Stürmer ja auf die linke Seite, um rechts wieder Thomas Müller Platz zu machen. Im Sturmzentrum dürfte der Bundestrainer auf Miro Klose bauen. Der spielt ja in Italien und hat gegen Akteure, die auch am Donnerstag auf dem Rasen stehen, schon Tore erzielt. Aber ganz gleich wer spielen wird: Wichtig wird sein, nicht in Rückstand zu geraten. Denn dann könnte es gegen die Italiener ganz schön unangenehm werden.

Der Leistungssteigerung von Cristiano Ronaldo in den vergangenen beiden Partien zum Trotz, sehe ich die Spanier im anderen Halbfinale als klare Favoriten an. Zwei Spiele machen noch keinen Superstar – und die Spanier werden sich gegen Ronaldo taktisch sicher etwas einfallen lassen. Schließlich kennen sie ihn bestens aus der heimischen Primera Division. Die Spanier sind sicher nicht in der Top-Verfassung wie 2008 oder 2010 – für einen Sieg gegen Portugal aber wird es in jedem Fall reichen.

Jürgen Kohler (46), Welt- und Europameister, ist EM-Experte unserer Zeitung.