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Rheinland-Pfalz

Landwirtschaft im Land: Der Ökomarkt ist noch lange nicht satt

Statistiken sind immer relativ. Das lässt sich wieder einmal schön an der Entwicklung des Ökolandbaus in Rheinland-Pfalz ablesen. Der hat in den vergangenen fünf Jahren deutlich zugelegt: "Die bewirtschaftete Fläche im Land hat sich seit 2010 um 43 Prozent vergrößert", bilanziert Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken (Bündnis90/Die Grünen) – eine Erfolgsgeschichte.

Trotz enormem Zuwachs liegen in der Biolandwirtschaft Ertragschancen brach. Foto: dpa
Trotz enormem Zuwachs liegen in der Biolandwirtschaft Ertragschancen brach.
Foto: dpa

Von unserer Redakteurin Nicole Mieding

Die enorme Steigerung bildet zum einen den wachsenden Wunsch der Verbraucher nach nachhaltig und in der Region produzierten Lebensmitteln ab. Sie erklärt sich aber auch dadurch, dass das Land bei der Ökoproduktion einst Schlusslicht war. Durch Aufstocken der Fördersätze hat sich Rheinland-Pfalz bundesweit ins Mittelfeld katapultiert. 1510 Betriebe bewirtschaften eine Fläche von 60 000 Hektar nach ökologischen Standards. Das entspricht 8,5 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche im Land.

"Die Marktchancen für Biobauern sind sehr gut", berichtet Sabine Berger, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Rheinland-Pfalz/Saarland. So böte der Handel etwa Abnahmeverträge mit zehn Jahren Laufzeit für Lieferanten von Bioschweinefleisch an. Auch, weil die Nachfrage gar nicht bedient werden kann – die Versorgung mit Schweinefleisch, Eiern und Geflügel, die hierzulande nach biologischen Standards produziert werden, lahmt. Denn die Bioidee ist tatsächlich eine Erfolgsgeschichte: Der Markt für Bioprodukte hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht. Im selben Zeitraum hat sich die Produktion allerdings nur verdoppelt. Zwischen Nachfrage und Angebot klafft eine Lücke, die Produzenten aus anderen Ländern schließen. So findet auch ein großer Teil der Wertschöpfung – höhere Umweltstandards, mehr Tierschutz, bessere Bezahlung der Bauern – im Ausland statt.

Angesichts der aktuellen Agrarkrise sieht sich die ehemalige Bioschweinezüchterin Höfken mit ihrer Strategie zum Ausbau der Ökolandwirschaft bestätigt und fordert weitere Unterstützung vom Bund, um das von dort gesetzte 20-Prozent-Ziel zu erreichen. Auch in der konventionellen Landwirtschaft setzt offenbar ein Umdenken ein. So hat der Deutsche Bauernverband gefordert, das Bundesprogramm Ökologische Landwirtschaft von derzeit 17 Millionen auf 60 Millionen aufzustocken. Lange Zeit pflegte der zu Ökobauern eine herzliche Feindschaft. Inzwischen aber sind immer mehr konventionell arbeitende Landwirte ihr schlechtes Image in der Bevölkerung leid und schielen teils neidisch auf die besseren Erträge ihrer ökologisch wirtschaftenden Kollegen. Verliefen die Marktzyklen früher parallel, hat sich der Biomarkt inzwischen emanzipiert. Treue Verbraucher bescheren ihm stabilere Preise. Mit dem verblüffenden Effekt, dass etwa bei der größten europäischen Genossenschaftsmolkerei Arla die "Nische" der Biomilchbauern die konventionell wirtschaftende Mehrheit subventioniert.

Wirtschaft
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