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Rheinland-Pfalz

Immer weniger Lehrlinge im Land

Das Ausbildungsjahr 2014/2015 steht vor der Tür – aber es fehlen immer mehr Lehrlinge in Rheinland-Pfalz. Eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab, dass das Problem offener Stellen und zurückgehender Ausbildungsverträge größer wird. Nur in wenigen, besonders gefragten Berufen gibt es mehr Bewerber als Stellen.

Kfz-Mechatroniker gehört nach wie vor zu den bevorzugten Ausbildungsberufen für junge Männer.  Foto: dpa
Kfz-Mechatroniker gehört nach wie vor zu den bevorzugten Ausbildungsberufen für junge Männer.
Foto: dpa

Von David Ehl

Zum 31. Juli waren im Land 7228 Ausbildungsstellen unbesetzt, das waren 9,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Nach Angaben der Sprecherin der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Eva Schmidt, klagt vor allem die Gastronomie über weniger Interessenten. Auf rund 350 freie Ausbildungsstellen zum Koch kämen nur etwa 100 Bewerber. Vor allem kleine und mittelgroße Betriebe hätten Probleme.

Erstmals weniger neue Lehrlinge als Erstsemester

Ende Juli zählte die Bundesagentur für Arbeit 27.368 Lehrlinge in Rheinland-Pfalz mit Ausbildungsverträgen. Im Vergleich zu 2013 ist das ein Rückgang um 1300 Verträge. 2007 waren es noch etwa 31.800 gewesen. "Hinzu kommt ein Akademisierungstrend", sagte Schmidt. "2013 gab es zum ersten Mal weniger duale Ausbildungsverträge als Hochschul-Immatrikulationen."

Die Jugendlichen geben zudem häufig sehr ähnliche Berufswünsche an: 58 Prozent der weiblichen und 40 Prozent der männlichen Bewerber konzentrierten sich auf zehn Ausbildungsberufe. Junge Frauen bewerben sich vor allem auf Ausbildungsstellen als Verkäuferin, medizinische Fachangestellte und Bürokauffrau, junge Männer als Kfz-Mechatroniker, Verkäufer oder Industriemechaniker.

"Die Chancen auf eine den eigenen Begabungen und Neigungen entsprechende Lehrstelle sind in diesem Jahr so gut wie nie zuvor", sagte Günther Behr, Geschäftsführer der Handwerkskammer Trier. Seine Kammer bietet online derzeit mehr als 700 offene Ausbildungsplätze an. "Das breite Spektrum an Berufen unterstreicht, dass die Auswahl riesig ist und ein Nachwuchsmangel keineswegs nur in den vermeintlich weniger attraktiven Berufen herrscht." Bisher seien 7 Prozent weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen worden als im Vorjahreszeitraum. Immer mehr junge Menschen strebten höhere Bildungswege statt eine Ausbildung an.

Nirgendwo überrannt

Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Pfalz in Ludwigshafen gab es Ende Juli 4245 neue Ausbildungsverhältnisse – 2,2 Prozent weniger als im Vorjahr. "Ich gehe davon aus, dass wir auch am Ende des Jahres einen leichten Rückgang haben werden", sagte Michael Böffel, Leiter für Ausbildung der IHK Pfalz. "Wir haben keine Branche, wo wir überrannt werden." Betriebe fänden immer öfter keine geeigneten Bewerber, sodass Stellen vorerst unbesetzt blieben. Böffel spricht ebenfalls von einer Akademisierung.

Diese Entwicklung beobachtet auch Rita Petry, Leiterin Berufsbildung der Handwerkskammer (HwK) Pfalz in Kaiserslautern. "Lehrstellen bleiben unbesetzt, da viele Jugendliche sich für weiterführende Schulen oder gar für ein Studium entscheiden." In der Pfalz gebe es weniger neu eingetragene Lehrstellen, momentan umfasst die Ausbildungsbörse der HwK 404 Einträge. Besonders Betriebe im Sanitär-, Elektro- und Nahrungsmittelbereich haben nach Einschätzung von Petry Probleme, qualifizierte Azubis zu finden. In anderen Branchen sieht es etwas besser aus, etwa bei Kfz-Mechatronikern oder in Büroberufen.

Bei der IHK Rheinhessen in Mainz besteht nach Ansicht von Hauptgeschäftsführer Günther Jertz kein Grund zur Panik. "Dennoch können auch in Rheinland-Pfalz durch den demografisch bedingten Rückgang an Bewerbern immer weniger IHK-zugehörige Ausbildungsunternehmen ihre angebotenen Lehrstellen besetzen." Aus der Zahl der eingehenden Ausbildungsverträge könne man erst im September aussagekräftige Rückschlüsse ziehen. Von 2012 auf 2013 verzeichnete die IHK Rheinhessen nur einen Rückgang um 29 Eingänge auf 2462 Ausbildungsverträge.

HwK meldet etwas mehr Lehrlinge

Die Handwerkskammer Koblenz meldete Ende Juli 2329 neue Lehrverträge – 36 mehr als im Vorjahr – in der Region Mittelrhein lernen 8872 Jugendliche einen Handwerksberuf. Für 2014 sind noch 788 freie Stellen zu haben – im Trend liegen weiter technische Berufe und Jobs der Kfz-Branche. Angespannt sei die Lage auch 2014 im Nahrungsmittelhandwerk. Kammerpräsident Werner Wittlich betonte, das Handwerk sei stark gefordert, um jeden Jugendlichen offensiv zu werben.

Nach Auskunft der IHK Koblenz wurden bis 31. Juli 4738 neue Ausbildungsverträge geschlossen – 9,1 Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. "Die Betriebe aus Industrie, Handel und Dienstleistung leiden in diesem Jahr erstmals deutlich unter der demografischen Entwicklung", erklärte Geschäftsführer Robert Lippmann. Noch viel mehr wiege der Umstand, dass sich mittlerweile mehr als die Hälfte der Schulabgänger landes- und bundesweit für ein Studium entschieden. Die Nachfrage nach Ausbildungsstellen in scheinbar unattraktiven Branchen gehe weiter zurück: Im Gastgewerbe sank die Zahl der Lehrlinge erstmals unter 300. Zuwächse gebe es bei Verträgen zum Industriekaufmann.

Kleinere Unternehmen besonders betroffen

Auch die Arbeitgeber sehen die Lage ähnlich. Werner Simon, Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz, sagte: "Wir erleben 2014 zum sechsten Mal in Folge, dass es mehr unbesetzte Lehrstellen als unversorgte Bewerber gibt. Von dieser Entwicklung sind besonders kleinere Unternehmen und Firmen in strukturschwachen Regionen betroffen."

Wirtschaft
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Bettina Tollkamp

 

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