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Balduinstein

Jetzt will türkischer Investor Schaumburg zu Weininstitut machen

Das Schloss Schaumburg soll Sitz eines internationalen Weininstituts werden. Das hat der türkische Besitzer des Schlosses und mittlerweile alleiniger Geschäftsführer der Schloss Schaumburg GmbH, Bilgiç Ertürk, gegenüber der Balduinsteiner Ortsbürgermeisterin Marie-Theres Schmidt angekündigt.

Wie geht es weiter mit der Schaumburg? Die türkischen Besitzer wollen auf dem Schloss internationale Weine vermarkten. Foto: Hans Georg Egenolf
Wie geht es weiter mit der Schaumburg? Die türkischen Besitzer wollen auf dem Schloss internationale Weine vermarkten.
Foto: Hans Georg Egenolf

Von unserem Redaktionsleiter Hans Georg Egenolf

Ob das schon Anlass sein kann, mit einem Gläschen Sekt anzustoßen, sei einmal dahingestellt: Für das gewaltige Schloss über Balduinstein sind schon viele große Pläne geschmiedet worden.

Auch Marie-Theres Schmidt kann eine gewisse Skepsis nicht verhehlen, dennoch ist sie verhalten optimistisch, dass es für das Schloss nun wieder eine Perspektive gibt. Seit mehr als einem Jahr ist die einstige Touristenattraktion Schaumburg geschlossen und öffnete zwischenzeitlich nur für eine große Auktion ihre Pforten. Jetzt sagt Schmidt: "Ich habe die Hoffnung, dass sich wirklich was tut."

Internationales Flair soll auf der Schaumburg einziehen – das ist die Zielsetzung, die Bilgiç Ertürk auch gegenüber Doris Fischer vom Landesdenkmalamt ausgegeben hat. Die will das Konzept bis Ende Februar nun schriftlich haben. Es klingt verwegen. Im Weininstitut Schloss Schaumburg sollen edle Tropfen aus aller Herren Länder präsentiert und vermarktet werden. Eine große Weinbibliothek mit einer riesigen Datenbank ist demnach geplant; Weinproben und Speisen sollen angeboten werden. Zudem spricht Ertürk von einer 50-köpfigen Verwaltung, die auf dem Schloss unterkommen soll.

Wie sind die Pläne einzuordnen? "Mir fehlt ein bisschen die Vorstellungskraft", räumt Ortsbürgermeisterin Schmidt ein. Sie ist aber froh, "dass überhaupt mal was passiert". Den Eindruck hat sie nach dem Gespräch mit Ertürk, der den Stuttgarter Architekten Sandro Graf von Einsiedel mit dem Umbau und der Restaurierung der Schaumburg beauftragt habe. Ein Bauingenieur aus Frankfurt soll zudem in den nächsten Tagen vor Ort sein, um die Burg "wetterfest zu machen". Einige Fenster sind zu Bruch gegangen, am weitläufigen Dach des Schlosses sind ebenfalls wieder Schäden aufgetreten.

Bilgiç Ertürk hat Marie-Theres Schmidt gegenüber versichert, dass das Schloss der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden soll. Auch Schulklassen und Gruppen sollen demnach wieder die Möglichkeit haben, das Schloss zu besichtigen.

Seit mehr als 20 Jahren ist die Schaumburg Gegenstand vieler Spekulationen. Im Jahr 1983 verkaufte Fürst Wittekind zu Waldeck und Pyrmont die Schaumburg mitsamt Inventar für 15 Millionen Mark. Das Schloss sollte zu einem Golfhotel umgebaut werden. Aus den großen Plänen wurde aber nichts. 1990 kaufte der Friedrichshafener Architekt und Bäderkönig Josef Wund das Schloss und die Ländereien für 6 Millionen Euro.

Eine neue Nutzung für die Schaumburg fand sich nicht; immerhin sorgte der Geschäftsmann in Kooperation mit der Denkmalpflege dafür, dass das Schloss halbwegs instand gehalten wurde. Ende 2012 kam es dann zum vorerst letzten Besitzerwechsel. Türkische Investoren stiegen ein, ein gewisser Sebahattin Özkan trat als Sprecher auf, und auch die Namen des Rechtsanwalts Bilgiç Ertürk und des Bauunternehmers Volkan Basegmez kamen ins Spiel. Seinerzeit war davon die Rede, auf der Schaumburg eine Bildungsstätte einzurichten.

Özkan, der zunächst als Geschäftsführer der Schloss Schaumburg GmbH eingetragen war, ist laut Schmidt mittlerweile aus dem Projekt ausgestiegen. Nach Medienberichten konzentriert er sich jetzt auf Schloss Kransberg bei Usingen, das ebenfalls türkische Besitzer hat und bereits seit sechs Jahren nicht mehr zugänglich ist. Der Name des Architekten Sandro Graf von Einsiedel taucht im Internet im Zusammenhang mit dem Gut Gentzrode auf, dessen Besitzer bereits seit 2010 ebenfalls Bilgiç Ertürk und Volkan Basegmez sein sollen. Auch dort sorgen sich Denkmalpfleger um den Erhalt des 1876/1877 im maurischen Stil errichteten Gebäudes. Zu einer nachhaltigen Sanierung und Nutzungsperspektive ist es beim Gut Gentzrode bislang nicht gekommen.

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