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Remagen/Erpel

Brücke von Remagen wurde vor 100 Jahren eingeweiht: Was ist von ihr geblieben?

Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs rückt der Lichtkegel der Weltgeschichte eine deutsche Brücke mit vier düsteren Türmen in den Fokus. Noch heute kennen viele Amerikaner nicht nur Heidelberg und Neuschwanstein, sondern auch diese Rheinquerung südlich von Bonn: die Brücke von Remagen. Am kommenden Mittwoch jährt sich ihre Einweihung zum 100. Mal. Was ist von ihr geblieben?

Steinerne Zeugen der Weltkriegsgeschichte: Die schwarzen Türme der Brücke von Remagen ragen auf beiden Rheinseiten in den Himmel.
Steinerne Zeugen der Weltkriegsgeschichte: Die schwarzen Türme der Brücke von Remagen ragen auf beiden Rheinseiten in den Himmel.
Foto: dpa

Am 7. März 1945 konnte die US-Armee nach dem Rückzug der Wehrmacht aus Frankreich hier erstmals den Rhein in Richtung Osten überqueren, ohne dass die Brücke wie geplant von den Deutschen zerstört wurde – erst zehn Tage später stürzte sie ein. Das beschleunigte nach Überzeugung von Historikern den Kriegsfortgang deutlich – womöglich hätte es sonst noch sehr viel mehr Tote gegeben.

Weltberühmt machte die Geschehnisse Ende der 60er-Jahre der US-Film „Die Brücke von Remagen“. Laut dem Stadtarchivar des Römerstädtchens, Kurt Kleemann, wird das Bauwerk auch in dem Streifen „Monuments Men“ von 2014 erwähnt, in dem sich eine Spezialtruppe um George Clooney zur Rettung von Kunstgütern durch die Kriegswirren schlägt.

Mitten im Ersten Weltkrieg hatten die kaiserlichen Offiziere die 325 Meter lange Eisenbahnbrücke über den Rhein schlagen lassen: Mit ihrer Hilfe sollte der Druck gegen Frankreich weiter verstärkt werden. Doch das Bauwerk wurde erst gegen Kriegsende fertig.

Das Richtfest ging erst Monate nach der Einweihung am 15. August 1918 über die Bühne, heißt es im Friedensmuseum auf der Remagener Seite. „Die Gleise sind sogar erst 1919 verlegt worden“, erklärt Edgar Neustein, der Vorsitzende des Vereins „ad Erpelle Kunst- und Kulturkreis“ im gegenüberliegenden Ort Erpel.

Gleichwohl zogen 1918 gegen Ende des Ersten Weltkrieges die Alliierten über die Ludendorff-Brücke, um das Rheinland zu besetzen. Danach verlor sie ihre Bedeutung, blieb aber als Verbindung zwischen beiden Ufern wichtig: So soll sie mit ihrem Fußgängersteg die Zahl der Heiraten zwischen Remagen und Erpel erhöht haben.

Im Zweiten Weltkrieg versuchten erst alliierte Bomberpiloten, die Brücke zu zerstören – vergeblich. Später, nach der US-Eroberung der Flussquerung, trachteten die Nazis danach, auch mit V2-Raketen den Übergang in die Luft zu jagen – ebenfalls vergebens. Zuvor hatten sie wegen der Alliierten schon zahlreiche andere Rheinbrücken zerstört.

Am 7. März 1945 stellte die von Westen nahende 9. US-Panzerdivision überrascht fest, dass die Brücke von Remagen noch intakt war. Der deutsche Major Hans Scheller gab zwar noch am selben Tag den Sprengbefehl. „Aber es war schwächerer und weniger Sprengstoff geliefert worden als geplant“, berichtet sein Sohn Gert Scheller. „Die Sprengung funktionierte nicht. Die Amerikaner schossen schon mit ihren Panzern. Jemand zündete die Notsprengung. Die Brücke hob sich, fiel aber wieder in ihre Lager.“ So konnten Tausende GIs den Rhein queren, was alliierten Truppen im September 1944 in Arnheim noch misslungen war. Das ging als „Wunder von Remagen“ vor allem in die US-Geschichte ein. General Dwight D. Eisenhower oder jemand aus seinem Stab soll gerufen haben: „Die Brücke ist ihr Gewicht in Gold wert.“ Belegt ist das Zitat nicht. Historiker sehen dies etwas nüchterner: Der Übergang in Remagen sei nicht die letzte noch intakte Rheinbrücke gewesen – gleichwohl habe die Eroberung den Vormarsch vermutlich um Wochen verkürzt.

Der Archivar und Historiker Kurt Kleemann sagt: „Bis Remagen ging man in den USA davon aus, dass der Krieg bis zum Herbst 1945 dauern würde.“ Dann wäre nach seinen Worten wohl sogar auch über deutsche Atombomben-Ziele wie Berlin und Ludwigshafen nachgedacht worden, um den Gegner zur Kapitulation zu zwingen. Auch andere Historiker halten dies nicht für völlig aus der Luft gegriffen – trotz der Hemmschwelle vor einem solchen Abwurf über Zentraleuropa.

Nach der misslungenen Brückensprengung vermutete Adolf Hitler Verrat. Vier deutsche Offiziere wurden von einem Standgericht hingerichtet, darunter Hans Scheller. „Ich bin aufgewachsen mit dem Vorwurf der Feigheit vor dem Feind“, erinnert sich sein Sohn Gert. 1967 hob das Landgericht Landshut das NS-Unrechtsurteil gegen Major Scheller auf.

Den Einsturz der Brücke am 17. März 1945 wegen Schäden und Überlastung überstanden nur die vier gedrungenen dunklen Türme. Sie stehen bis heute, je zwei an jedem Ufer. Das Museum in den Remagener Türmen erinnert seit 1980 an die dramatischen Stunden. „Wir haben rund 20.000 Besucher im Jahr“, sagt Vorstand Frank Cornely. Kassenfrau Doris Scharrenbroich ergänzt: „Ungefähr ein Drittel sind Ausländer. Viele kommen auch aus den USA.“ Im Gästebuch finden sich ergreifende Einträge von Nachfahren der Soldaten, die 1945 die Brücke überquerten.

Die beiden Erpeler Türme gehören dem Bund – das Bundeseisenbahnvermögen will sie verkaufen. Kürzlich sprach es von drei Interessenten. Dahinter ist der weiterführende historische Bahntunnel erhalten – ohne Schienen. „Hier ist seit 2006 schon 160-mal das Theaterstück ,Die Brücke' aufgeführt worden“, berichtet Neustein. Es setzt den 7. März 1945 in Szene. Der Vereinschef wirbt nun für die Gründung einer Stiftung, um die insgesamt vier Brückentürme und den Tunnel als Einheit zu erhalten und zu nutzen.

Von Jens Albes

Streit um das Friedensmuseum Brücke von Remagen

Ohne Remagens Alt-Bürgermeister Hans Peter Kürten gäbe es wohl kaum ein Museum im linksrheinischen Brückenkopf der ehemaligen Ludendorff-Brücke. Er hatte 1978 die Idee, aus den Steinen der Brückenpfeiler, die noch im Rhein standen, kleine Gedenkobjekte zu verkaufen: der finanzielle Grundstein für das Friedensmuseum. Am 7.

März 1980 wurde die Dauerausstellung zur Brücke und den ehemaligen Kriegsgefangenenlagern in Remagen und Sinzig eröffnet. Die Trägerschaft übernahm am 14. Januar 1981 der Verein Friedensmuseum Brücke von Remagen. Sein Vorsitzender auf Lebenszeit ist Hans Peter Kürten. Doch der mittlerweile 89-Jährige sieht sich nicht mehr in der Lage, den Verein zu führen. Sein Wunsch: Die Stadt soll alles übernehmen. Im Verein tobt nun ein – auch gerichtlich ausgetragener – erbitterter Streit, ob dem Wunsch Kürtens entsprochen wird oder ein neuer Vorstand weitermacht. Das Ende ist noch offen. ckk

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