Bad Kreuznach

„Wie schön, dass wir heute Freunde sein können“

Fachstelle für Kinder- und Jugendpastoral Bad Kreuznach war mit 15 Jugendlichen in Auschwitz.

Foto: Fachstelle für Kinder- und Jugendpastoral Bad Kreuznach

„Wir wollen nicht vergessen.“ So lautete der Titel der Jugendbildungsfahrt nach Auschwitz, die die Fachstelle für Kinder- und Jugendpastoral Bad Kreuznach und die Junge Nahe Kirche im Dekanat Birkenfeld in den Sommerferien anboten. Auf die nicht einfache Fahrt wurden die Jugendlichen schon beim zweitägigen Vortreffen eingestimmt. Der erste Stopp der Reise war in Dresden. Dort sah sich die Gruppe das jüdische Leben vor und nach dem Holocaust an. Dabei wurde auch der jüdische Friedhof besucht, wodurch den Jugendlichen ein besseres Verständnis für das jüdische Lebensgefühl zuteilwurde. In Auschwitz angekommen wurde zunächst die „Judenrampe“ besichtigt. Hier selektierte die SS vom Frühjahr 1942 bis Mai 1944 die im Zug ankommenden Juden. 70 bis 75 Prozent der Menschen wurden sofort in die Gaskammern geschickt, während die anderen sich zu Tode arbeiten „durften“.

Tags darauf erwartete die Gruppe eine vierstündige Führung durch das Stammlager Auschwitz. Besonders betroffen war die Gruppe von den Unmengen an Schuhen, Haaren, Töpfen und leeren Zyklon B-Dosen, die zu sehen waren, wie auch durch die Portraitfotos Ermordeter. Der Tag endete mit einem Gespräch mit Pater Manfred Deselaers, dem Spiritual des Zentrums für Dialog und Gebet, welcher schon 31 Jahre in Oświęcim, Auschwitz, lebt. Dieser erzählte von seinem Leben als deutscher Mann in Polen und beantwortete bereitwillig alle Fragen, die ihm gestellt wurden. Zum Ende des Gespräches erzählte er dann, dass ein befreundeter Pole zu ihm gesagt habe, wie schön es doch sei, dass sie heute Freunde sein können, trotz alledem was passiert sei. Dieser Satz begleitete die Gruppe die gesamte Zeit über.

Am folgenden Tag fuhr die Gruppe zum Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, dem Ort an dem Millionen Menschen erst vergast und dann verbrannt wurden. Es war ein sehr komisches Gefühl in der Nähe der Krematorien über die saftig grünen Wiesen zu gehen, die auch deshalb so gut gedeihen, weil hier die Asche der Verbrannten den Boden düngte. Nach den Führungen durch die beiden Lager, beschäftigte sich die Gruppe nachmittags im Archiv des Stammlagers mit den Kindern und Jugendlichen, welche in den Lagern inhaftiert waren. Durch die Dokumente, welche ausgehändigt wurden, veränderte sich der Bezug zu den vorher gehörten Fakten, denn die Zahlen bekamen Gesichter und Namen. So erfuhren die Jugendlichen dann auch wie gründlich Dr. Mengele seine Versuche dokumentiert hatte und was er mit den Inhaftierten anstellte.

Der folgende Tag wurde in Krakau verbracht und war geprägt von dem Zeitzeugengespräch mit Lidia Maksymowicz, welche als Dreijährige mit ihren Großeltern und ihrer Mutter nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurde. Dieses Gespräch war für viele Jugendliche der bewegendste Programmpunkt der Fahrt. Besonders ihre Erzählungen, über die Erfahrungen als „Versuchskaninchen“ bei Dr. Mengele, verdeutlichten der Gruppe die Bedingungen unter welchen man dort lebte. Auch erzählte sie davon, dass sie von ihrer Mutter getrennt wurde und diese erst 17 Jahre später wieder sah und das alles nur, weil ihnen vorgeworfen wurde Kontakt zu bewaffneten Kämpfern, außerhalb der regulären Streitkräfte, zu haben.

Diese Erzählungen haben den Jugendlichen noch einmal mehr gezeigt, wie wichtig es ist, dass sich diese Ereignisse nie wieder wiederholen. Am Abend dieses Tages wurde der Film „Schindlers Liste“ geschaut, welcher der Gruppe noch einmal mehr plastisch vor Augen führte, wie insbesondere die jüdische Bevölkerung Krakaus leiden musste. Der darauffolgende Tag in Krakau stand dann ganz im Zeichen des vorher gesehenen Filmes und der darin gesehenen Orte, wie zum Beispiel die Fabrik Schindlers oder die Fläche des KZ Płaszów, an das heute leider nur noch Gedenktafeln erinnern.

Mit einem Aufenthalt auf der Rückfahrt in Görlitz endete diese Fahrt in einem Ort, der für die deutsch-polnische Freundschaft steht. Für die Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 21 Jahren wurde deutsche Vergangenheit erlebbar. Wichtig waren die Schlüsse, die sie für die Gegenwart daraus ziehen. Am letzten Abend auf der Brücke zwischen der deutschen und polnischen Grenze beschäftigte sich die Gruppe nochmal mit dem Gedanken „Wie schön, dass wir heute Freunde sein können“, den sie schon eine Weile begleitete.