Archivierter Artikel vom 09.08.2018, 14:57 Uhr
Mandel

Überraschungsbesuch bei Hoffest

Michael Moerschel, der ehemalige Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche, stattete seiner alten Gemeinde nach 43 Jahren einen Besuch ab.

Das Bild zeigt dieNaheweinkönigin Pauline, Pastor i.R. Michael Moerschel, Elfriede und Markus Baumberger.
Das Bild zeigt dieNaheweinkönigin Pauline, Pastor i.R. Michael Moerschel, Elfriede und Markus Baumberger.
Foto: Veranstalter

Da staunte Elfriede Baumberger, die Seniorchefin des Weingutes Baumberger in Mandel, nicht schlecht: Ein unerwarteter Gast war zum Hoffest gekommen. Sie freute sich sehr, Michael Moerschel wiederzusehen, der von 1971 bis 1975 ihr Nachbar war. Ihr Sohn Markus Baumberger konnte sich noch an den methodistischen Pastor erinnern, er war damals ein kleiner Bub. Heute ist er der Chef des Weingutes und Vater der amtierenden Naheweinkönigin Pauline, die den Gast ebenfalls herzlich begrüßte. Leider war Senior Arnold Baumberger im Mai gestorben, und Michael Moerschel war schon lange nicht mehr in Mandel gewesen. An diesem Sonntag hatte er in der evangelisch-methodistischen Gemeinde in Bad Kreuznach Pastor Daniel Knierim vertreten, der gerade in Elternzeit war und hatte mit seiner Frau Doris, die aus Traisen stammt, die Familie besucht. Als er von dem Hoffest hörte, beschloss er spontan, einen Besuch zu machen.

Der gelernte Konditor Michael Moerschel hatte als junger Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) seine erste Stelle in Mandel angetreten. Die Kirche, in der er auch wohnte, steht gegenüber der katholischen Kirche und ist heute ein Wohnhaus, wenn auch ein besonderes, wie man an der Fassade und dem Eingang sehen kann. Pastor Moerschel, der aus Baden-Baden stammt, hatte einen guten Draht zu den Leuten im Dorf und besonders zu seinem landeskirchlichen Kollegen Karl Ulrich Nordmann, der auch neu war und ebenso noch Junggeselle. Während KU Nordmann sein ganzes Berufsleben in Mandel verbringen würde („de Parre“), bekam Michael Moerschel anschließend Dienstzuweisungen nach Mannheim, Speyer, Kandel und zum Schluss nach Baden-Baden, in seine Heimatstadt.

Neben den üblichen Veranstaltungen wie Gottesdiensten, Sonntagsschule (Kindergottesdienst) und vor allem dem Jugendkreis – auch die Kreuznacher Jugendlichen trafen sich bei dem jungen Pastor – begannen die beiden Geistlichen, Kochkurse im Pfarrhaus für die Frauen im Dorf durchzuführen, eine besondere Form von Ökumene (und von der methodistischen Kirchenleitung mit Skepsis betrachtet). Weil die Nachfrage so groß war, durften aber nur verheiratete(!) Frauen teilnehmen.

An diesem Sonntag, 43 Jahre später, traf Michael Moerschel auch eine andere ehemalige Nachbarin, Frau Thomas, die sich noch gut an die legendären Kochkurse erinnern kann (im Gasthaus Brück, heute Thomas, hatte 1875 der erste methodistische Gottesdienst stattgefunden, erst 1879 wurde eine Kirche errichtet, die „Eben-Ezer-Kapelle“).

Seit 2006 gibt es die evangelisch-methodistische Gemeinde in Mandel nicht mehr, zu der zum Schluss noch 40 Kirchenglieder aus Bockenau, Mandel, Roxheim, Sponheim, Weinsheim und Winzenheim gehörten. Einige Familien sind in die Landeskirche eingetreten. Von den 25 bis 30 Predigtplätzen in der Blütezeit des Methodismus sind die beiden Gemeinden in Bad Kreuznach (Gemeindezentrum Agnesienberg) und Simmern übrig geblieben, die den Bezirk Nahe/Hunsrück bilden und der nur noch von einem Pastor betreut wird.

Über die Geschichte des Methodismus im Naheland hatte der Autor Willy Mathern ein Buch geschrieben (Mathern, Willy: 100 Jahre Methodismus auf dem Hunsrück und im naheländischen Gebiet, 1969, Bad Kreuznach: R. Voigtländer). Heute findet man Informationen im Internet unter www.emk.de