Archivierter Artikel vom 14.11.2019, 09:46 Uhr
Bad Kreuznach

PM Veranstaltung „Bad Kreuznach verkehr(t)“ – Progressives Kreuznach diskutiert über Autofixierung in der Stadt

Knapp 30 Menschen diskutierten abends im Dudelsack unter dem Motto „Bad Kreuznach verkehrt – neue Mobilitätskonzepte für unsere Stadt“ über alles, was gut und was schief läuft in der Bad Kreuznacher Verkehrspolitik.

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Stefan Butz (von links) von Progressives Bad Kreuznach diskutierte mit Thomas Rockel, Sven Kriewald und Hermann Holste.
Stefan Butz (von links) von Progressives Bad Kreuznach diskutierte mit Thomas Rockel, Sven Kriewald und Hermann Holste.
Foto: Sebastian Gräff

Eingeladen hatte Progressives Bad Kreuznach, dessen Thesen dazu Moderator Stefan Butz vorstellte. Einig war man sich in einem: Die Autofixierung der Bad Kreuznacher Verkehrspolitik muss schnell enden. Butz, das Stadtratsmitglied von PBK, begrüßte Sven Kriewald von OKMove, einem der bekanntesten E-Zweiradhändler der Stadt, den Betriebsratsvorsitzenden der Stadtbus GmbH, Thomas Rockel und Hermann Holste vom Verkehrsclub Deutschland, der zudem für die Grünen im Stadtrats sitzt.

Kriewald beschäftigte sich insbesondere mit der Zukunft des motorisierten Individualverkehrs: Mit dem Auto gehe da nichts mehr, war er sich sicher. Für Kurzstrecken böten sich aber E-Bikes oder künftig auch auf E-Bikes basierende Micro-Cars an. Die seien jetzt in der Stadt bereits schneller als das Auto.

Thomas Rockel kritisierte, dass der Busverkehr in der Stadt nicht gut genug ausgebaut sei. Und bei viel Verkehr stehe man, dank weniger Busspuren, dann eben gemeinsam mit den Autos im Stau. Dabei könne ein Gelenkbus bis zu 160 Menschen transportieren. Zudem verwies er auf ein altbewährtes Konzept, das früh eingestellt wurde: Der Pendelbus von und zum Großparkplatz Pfingstwiese am Rande der Stadt.

Zuerst einmal Busse, Radfahrer und Fußgänger fordern, war das Motto von Hermann Holste, der Individualverkehr nur da haben will, „wo es notwendig ist“. Bad Kreuznach sei auf dem gleichen Verkehrs-Emissionsstadt wie 1990. Die Erfolge bei saubereren Motoren würden durch mehr Autos einfach aufgefressen.

Entsprechend unproblematisch wurden dann auch die PBK-Positionen aufgenommen: flächendeckend Tempo 30 und Spielstraßen, autofreie Innenstadt, besseres Busnetz und Rekommunalisierung der Stadtbusse – finanzierbar per Verkehrsabgabe, Stadtbahn auf bestehenden Gleisen, Schlaglöcher auf Gehwegen stopfen und mehr Zebrastreifen.

Jürgen Locher von der Linken hob hervor, dass auch die Verkehrswende eine soziale Komponente benötige. Butz’ Bericht, dass Ordnungsdezernent Markus Schlosser eigene Blitzer als zu teuer abgelehnt habe, sei unverständlich: „Herr Schlosser weiß doch aus seiner Zeit als Kreiskämmerer, dass man damit Geld verdienen kann.“ Jürgen Bergmann-Syren von der SPD brachte die Idee auf, jährlich fünf Prozent an Parkflächen zu reduzieren.

Zudem gab es noch Einwürfe zu Vorrang-Ampelschaltungen für Busse wie für Radfahrer und Hinweise zu Streckenlängen: 39 Prozent aller Wege, die in Bad Kreuznach mit dem Auto zurückgelegt werden, sind unterhalb von zwei Kilometern. So sagt es das an diesem Abend ebenfalls diskutierte Integrierte Verkehrsentwicklungskonzept IVEK. Erst kurz nach 22 Uhr schloss Butz die muntere und vielfältige Diskussion.