Archivierter Artikel vom 09.07.2019, 15:45 Uhr
Bad Kreuznach

Mendelssohn trifft Marillen: Pauluskantorei musiziert in der Wachau

Musik und Kulinarik gehören schon immer zusammen, so auch bei der jüngsten Konzertreise der Kantorei an der Kreuznacher Pauluskirche in die niederösterreichische Wachau, nicht unähnlich unserem romantischen Mittelrhein.

Konzert der Paulus-Kantorei in der ev. Kirche von Klosterneuburg/Donau.
Konzert der Paulus-Kantorei in der ev. Kirche von Klosterneuburg/Donau.
Foto: privat

Und Marillen (Aprikosen) in allen Variationen, ob Likör, ob Brände und köstlichen Marmeladen, das ist ein Wahrzeichen der Wachau. Und nicht nur das: Die Häufung von imposanten Stiften und anderen Sakralbauten links und rechts der Donau prägen diesen einzigartigen Landstrich. Sie künden von einer reichen geschichtlichen Vergangenheit.

Gerade diese Orte waren es, die den äußeren Rahmen der vier Konzerte der Kantorei boten. Kantorin Cindy Rinck hatte ein vielseitiges Programm zusammengestellt mit Werken unter anderem von Mendelssohn, Mozart und John Rutter, der zeitgenössischen Pop-Ikone der Kirchenmusik. Der erste Auftritt der rund 50-köpfigen Sängerschar fand in der Pfarrkirche von Wösendorf statt vor einer unerwartet stattlichen Zuhörerschaft. Dafür hatte wohl auch der zuständige Pfarrer gesorgt, dessen Gemeindemitglieder die Kreuznacher Besucher zu einem anschließenden Umtrunk einluden.

Auch das ehemalige Augustiner Chorherrenstift Dürnstein entpuppte sich als hervorragender Konzertort. Als einen Glanzpunkt der einwöchigen Konzertreise war sicher die äußert repräsentative Klosteranlage von Klosterneuburg vor den Toren Wiens anzusehen. Hier wurde rund 700 Jahre Habsburger Geschichte gestaltet und eine hochprofessionelle Kirchenführerin erläuterte sowohl die kunstvolle Architektur der Anlage wie auch deren historische Bedeutung für den einstigen Vielvölkerstaat. Die Kantorei bedankte sich hierfür mit dem mehrstimmigen „Vater unser“ von Jon Asgeirsson – einer für den Autor bewegendsten Momente der gesamten Reise.

In völlig baulichen Kontrast dazu stand der Besuch in der dortigen modernen evangelischen Kirche, deren Pfarrer ein Grußwort sprach und die gegenwärtige Situation der ev. Kirche im katholisch geprägten Österreich schilderte. Das von der Kantorei dargebotene Konzert fand großen Anklang und wurde abgeschlossen mit kulinarischen Genüssen im toskanisch anmutenden Pfarrgarten. Das berühmte Kloster Melk bildete den Schlussakkord der Konzerttournee.

Alle Konzerte wurden musikalisch einfühlsam garniert von Helga und Klaus Evers an Cello und Klavier. Beide Instrumente füllten eindrucksvoll die volumenösen Kirchenräume.

Ein umfangreiches Begleitprogramm, freilich auch in die Landeshauptstadt Wien, komplettierte den Kantoreiausflug. Und das Topp-Mibringsel für die Daheimgebliebenen: Ein Stück regionaltypischen Gewächses: Marillen in all ihren Qualitäten und Erscheinungsformen.

Bericht von: Wolfgang Reiche