Archivierter Artikel vom 22.10.2019, 14:28 Uhr
Idar-Oberstein

„Junge NAHE Kirche“ war mit 14 Jugendlichen in Auschwitz und Krakau

„Wir wollen nicht vergessen.“ So lautete der Titel der Jugendbildungsfahrt der katholischen Jugendarbeit im Gebiet der Pfarrei der Zukunft Idar-Oberstein, die in den Herbstferien stattgefunden hat.

Foto: privat

Die Fahrt fand gemeinsam und in Kooperation mit der Fachstelle Jugend Bad Kreuznach und der JBS Boppard statt. Auf die nicht einfache Fahrt wurden die Jugendlichen schon beim zweitägigen Vortreffen eingestimmt. Zunächst führte die Reise nach Görlitz. Dort sprach die Gruppe mit Justyna Michniuk von der jüdischen Organisation „rent a jew“. In diesem Gespräch ging es um jüdische Riten und das jüdische Lebensgefühl in Deutschland. Danach besuchte die Gruppe den jüdischen Friedhof bevor auf der polnischen Seite zu Abend gegessen wurde.

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In Auschwitz angekommen wurde zunächst zur „Judenrampe“ gefahren. Hier selektierte die SS vom Frühjahr 1942 bis Mai 1944 die im Zug ankommenden Juden. 70 bis 75 Prozent der Menschen wurden sofort in die Gaskammern geschickt, während die anderen sich zu Tode arbeiten „durften“.

Tags darauf erwartete die Gruppe eine vierstündige Führung durch das KZ Auschwitz. Besonders betroffen war die Gruppe von den Unmengen an Schuhen, Brillen, Haaren und Bürsten, die zu sehen waren, wie auch von den Portraitfotos Ermordeter. Dass in solch einer Atmosphäre der Erniedrigung Kunst geschaffen wurde, erfuhr die Gruppe am Nachmittag bei einer Führung durch eine kleine Kunstausstellung in einer Lagerbaracke.

Am folgenden Tag fuhr die Gruppe zum Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, dem Ort an dem Millionen Menschen erst vergast und dann verbrannt wurden. Es war für alle Beteiligten ein sehr merkwürdiges Gefühl in der Nähe der Krematorien über Wiesen zu gehen, die auch deshalb so gut gedeihen, weil hier die Asche der Verbrannten den Boden düngte. Für viele Jugendliche war das folgende Zeitzeugengespräch mit Zdzislawa Wlodarczyk, die als Zehnjährige nach dem Warschauer Aufstand im Herbst 1944 nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurde, der bewegenste Programmpunkt der Fahrt. Besonders ihre Erzählungen über kleinste Gesten der Menschlichkeit, die sie erfahren hatte und wie positiv diese auf sie wirkten, verdeutlichten wie wichtig der sensible Umgang mit Menschen ist. Dies gilt gerade auch heute im Umgang mit Fremden und Geflüchteten. Der Tag endete mit einem Gespräch mit Pater Manfred Deselaers, dem Spiritual des Zentrums für Dialog und Gebet.

Die beiden folgenden Tage standen im Zeichen der Besichtigung Krakaus mit der Fabrik Oskar Schindlers. Hierzu wurde der Film „Schindlers Liste“ geschaut, der für die Jugendlichen die Leiden insbesondere der jüdischen Bevölkerung Krakaus plastisch vor Augen führte. Somit erhielten die beiden vorhergehenden Führungen in Auschwitz Lebendigkeit. Mit einem Aufenthalt auf der Rückfahrt in Dresden endete diese Fahrt.

Für die Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren wurde deutsche Vergangenheit erlebbar. Umrahmt von vielen Gesprächen und Gebeten spielte auch die Frage nach dem Glauben an Gott im Angesicht von Auschwitz eine wichtige Rolle. Wichtig waren die Schlüsse, die die Jugendlichen für die Gegenwart daraus ziehen. Wie verhalte ich mich im Zeichen eines immer stärker werdenden Nationalismus, der das eigene Volk gegenüber anderen Völkern heraushebt und die anderen dadurch erniedrigt? Ein weißer Stein, gelegt an eine Schiene der „Judenrampe“, trägt die Aufschrift „past or future?“ Oder wie Primo Levi auf einer Tafel im KZ Auschwitz formulierte: „Es passierte, deshalb kann es wieder passieren: dies ist der Kern von dem, was wir zu sagen haben.“