Archivierter Artikel vom 16.11.2021, 11:54 Uhr
Bad Kreuznach

Immer schön hängen lassen – Probenwochenende der Kantorei an Pauluskirche Pirmasens

Bei rund 13 Stunden Probenarbeit waren zwischendurch Entspannungsübungen immer wieder notwendig, die eigene Stimme ruhen zu lassen und den Körper in Bewegung zu bringen.

Von Bericht Wolfgang Reiche.

Es wurde dabei sehr deutlich, wie eng die menschliche Stimme von der Körperhaltung beeinflusst wird. So war es sehr angenehm, die eigene Körperhaltung richtig hängen zu lassen, sodass sich eine wohlige Entspannung einstellte. Die sich anschließenden gesanglichen Übungen bewegten sich sodann viel gelöster über Kehle und Zunge.

In diesem Duktus ging es kürzlich im Jugendgästehaus von Pirmasens über die Bühne, geleitet von Kantorin Carla Braun und kompetent assistiert am Klavier von Moritz Dindorf. Auf dem Übungsprogramm standen sehr unterschiedliche Chorwerke: Das Requiem des französischen Spätromantikers Camille Saint-Saens sowie Teile aus Händels „Messias“ und eine Hommage an den Weltfrieden des Zeitgenossen Peteris Vasks. Das Werk des Franzosen ist entgegen dem kompositorischen Zeitgeist ganz der spätromantischen Tonsprache verpflichtet, in der der Komponist die Musik als Dienerin der Liturgie sieht. Die äußerst geduldige und nimmermüde Kantorin spornte die rund 50-köpfige Chorgemeinschaft immer wieder an, legte sodann häufiger das Tempo vor bis sich allmählich ein Feinschliff einzustellen begann – gelegentlich auch hier noch mit Unterbrechungen und Anmerkungen zu Ausdruck und Klangfarbe.

Barockmeister Georg Friedrich Händel ist vielen Kantorei-Mitgliedern noch aus vorangegangenen Aufführungen seines „Messias“ bekannt. Geradezu gefürchtet sind seine langen Notenketten bei den Koloraturen. Indes vermittelte die Kantorin stets Empfehlungen und Hinweise, die den Chor in sicherem Fahrwasser hielten. Peteri Vask`s Chorwerk „Dona nobis pacem“ ist eine Klangwelt für sich. In ausgeprägten langen Notendistanzen wird eine suggestive musikalische Kraft erzeugt, in der die Lautstärke sehr subtil zu – und abnimmt. Leisere Passagen sind für die Sänger eine Extra-Herausforderung. Nach diesem Gesangsmarathon fand man aber auch Zeit zu Gesprächen miteinander, die dem Erfahrungsaustausch dienten. So kann also das erste große Konzert der Kantorei an der Pauluskirche getrost kommen, sie ist bestens gerüstet und lädt zum ersten Großkonzert unter der Leitung Kantorin Carla Braun am Sonntag, 21. November, 17 Uhr in die Pauluskirche von Bad Kreuznach ein.

Bericht von Wolfgang Reiche.