Archivierter Artikel vom 12.05.2021, 07:52 Uhr
Bad Kreuznach

Fundierte Hebammenausbildung im Diakonie Krankenhaus

Dabei sein, wenn neues Leben beginnt und diesen Lebensabschnitt der Frauen aktiv begleiten: Dieses faszinierende Wunder begegnet Hebammen Tag für Tag. Menschliche und medizinische Kompetenzen müssen sich dabei die Hand geben.

Das Foto zeigt die ersten Hebammenschülerinnen der Stiftung kreuznacher diakonie, Caitlin Roberts (links) und Christiane Mahler.
Das Foto zeigt die ersten Hebammenschülerinnen der Stiftung kreuznacher diakonie, Caitlin Roberts (links) und Christiane Mahler.
Foto: Stiftung kreuznacher diakonie

Das trifft auf die Hebammenschülerinnen Christiane Mahler und Caitlin Roberts im Diakonie Krankenhaus zu. Leidenschaft bringen sie für diesen Beruf auf, viel Einfühlungsvermögen, um werdenden Eltern das Gefühl von Sicherheit zu geben.

Die dreijährige Hebammenausbildung haben Mahler und Roberts im Oktober des vergangenen Jahres in der Stiftung kreuznacher diakonie begonnen. Während die theoretische Ausbildung durch die Kooperation mit der Hebammenfachschule der Helios Dr. Schmidt Kliniken (HSK) in Wiesbaden möglich wird, absolvieren beide alle praktischen Einsätze in Bad Kreuznach. Vorteil der Diakonie: Innerhalb eines Hauses können sie in allen relevanten Stationen Erfahrungen sammeln und werden dabei durch spezielle Praxisanleiterinnen unterstützt. Und das Besondere: Neben gynäkologischer Abteilung, Kreißsaal und Wochenbettstation ergänzen Einsätze auf der Neugeborenen- und Kinderintensivstation die Ausbildung. Die Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe ist in Kooperation mit der Kinderabteilung des Diakonie Krankenhauses eines der wenigen Perinatalzentren Level 1 für Früh- und Neugeborene in Rheinland-Pfalz. So erhalten die Hebammenschülerinnen eine fundierte Ausbildung und lernen alle Facetten des Hebammenberufs kennen.

Auch wenn die Voraussetzungen von Christiane Mahler und Caitlin Roberts bis zum Ausbildungsstart vor mehr als einem halben Jahr unterschiedlich sind: Die Begeisterung begleitet sie sowohl in der Theorie als auch in der Praxis, die als Einheiten im vier- bis sechswöchigen Wechsel absolviert werden. „Hebamme zu werden war schon immer mein Traum“, betont Christiane Mahler, ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerin. „Ich habe schnell gemerkt, dass ich zum Hebammenberuf wechseln möchte“, unterstreicht die 40-Jährige. Als sie sich 2004 aber bundesweit für eine Ausbildungsstelle bewarb, hatte sie kein Glück und machte dann auf dem zweiten Bildungsweg ihr Abitur nach, um bessere Chancen zu haben. Doch dann wurde Mahler selbst Mutter von drei Kindern, die jetzt sechs, zehn und elf Jahre alt sind, und sie erlebte den Wert von Hebammen als „Betroffene“. Die wertvolle Begleitung, die sie während ihrer Schwangerschaften erfuhr, hat ihren Wunsch, Hebamme zu werden, nur noch gefestigt, erzählt sie. Auch das private Umfeld von Christiane Mahler traute ihr die verantwortungsvolle und sensible Aufgabe einer Hebamme zu, auf die verschiedenen Charaktere während der Schwangerschaft und Geburt einzugehen – auch auf die von Vätern. „Das passt total gut zu Dir“, hörte Mahler von ihrem Umfeld. Und für sich meint sie: „Schade, wenn ich in 27 Jahren in Rente ginge und hätte es nicht probiert.“ Mit Blick nach vorne möchte sie nach ihrer Ausbildung sowohl im Krankenhaus arbeiten als auch freiberuflich als Hebamme.

„Das passt zu Dir. Du hast eine beruhigende Wirkung“, so auch die Resonanz der Eltern, Freunde und Bekannten von Caitlin Roberts. Schon während ihrer Schulzeit hat die erst 20-Jährige Praktika absolviert – in der Tierklinik in Bretzenheim, in der Pflege im Diakonie Krankenhaus und bei einer freiberuflichen Hebamme. Nachdem sie ihren 18. Geburtstag gefeiert hatte, konnte sie endlich bei einem vierwöchigen Praktikum im Kreißsaal noch mehr Einblicke gewinnen und erfuhr, wie wichtig Empathie, Anpassungsfähigkeit und Kommunikation sind, um Frauen in Ausnahmesituationen verstehen zu können. Nachdem Caitlin Roberts im März ihre Probezeitprüfung mit Bravour bestanden hat, „werde ich immer mehr aktiv in Entbindungen eingebunden“, strahlt die junge Frau, die nach dem Fachstudium als Hebamme gerne ein weiterführendes Studium anschließen möchte, um sich zu spezialisieren.

Der Beruf der Hebamme, dessen Ausbildung seit 2020 endlich auch in Deutschland als Fachstudium eingestuft wird, ist ein Mangelberuf. Deshalb bildet die Stiftung kreuznacher diakonie selbst aus. Zwischen 1300 und 1400 Frauen werden pro Jahr im Diakonie Krankenhaus entbunden. „Manchmal sind es bis zu 15 Geburten am Tag, manchmal gar keine“, so die Leitende Hebamme Beate Friedrich über einen Arbeitsalltag, der nicht vorhersehbar, aber spannend ist.

Durch das neue Hebammengesetz und die anspruchsvolle Ausbildung während des Fachstudiums, kann die Hebamme autark arbeiten und den kleinen Erdenbürger selbst entbinden. Das sind Momente, die bleiben. Natürlich stehen im Diakonie Krankenhaus auch immer Frauen- und Kinderärzte in Bereitschaft. „Trotz mehr als 1300 Geburten im Jahr und hoher Professionalität ist der Ablauf bei uns sehr persönlich und der Umgang sehr kollegial“, unterstreicht Beate Friedrich.

Eine neue Ausbildung zur Hebamme oder Entbindungspfleger bei der Stiftung kreuznacher diakonie startet im Oktober 2021, und zwar in Kooperation mit der Hebammenschule in Speyer. Voraussetzung für eine Bewerbung sind ein sehr guter Realschulabschluss oder Abitur. Für die akademisierte Ausbildung als duales Studium mit Bachelor-Abschluss, das ab 2023 verpflichtend ist, ist eine zwölfjährige allgemeine Schulbildung oder eine abgeschlossene Ausbildung in einem Pflegeberuf nötig. Kontakt: Jutta Magmer-Melaas (Pflegedirektorin), pd-kh@kreuznacherdiakonie.de.