Bad Kreuznach

Bäckern fehlt der Berufsnachwuchs

Diskussion zum Thema Rückgang der Lehrlingszahlen bei der Jahresversammlung der Bäcker-Innung Rhein-Nahe-Hunsrück.

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Foto: Kreishandwerkerschaft Rhein-Nahe-Hunsrück

Jedes Jahr geben etwa fünf Prozent der handwerklichen deutschen Bäckerbetriebe auf. Nicht nur die Billigbrötchen aus dem Discounter sind daran schuld. „Uns Bäckern fehlt der Berufsnachwuchs“, klagte Obermeister Alfred Wenz auf der Jahresversammlung der Bäcker-Innung Rhein-Nahe-Hunsrück. „Wir können unsere Lehrlinge nicht selbst backen!“ Dabei schlägt den Bäckermeistern viel Sympathie entgegen, beispielsweise beim jährlichen Brotpfenniglauf, bei der Übergabe von der Neujahrsbrezel an die Ministerpräsidentin und auf vielen Ausbildungsmessen in der Region. Nicht nur bei der Öffentlichkeit kommen die Bäcker gut an, auch Kunden schätzen ihre appetitliche Handwerkskunst. Tüchtige Handwerksbetriebe, die auf Qualität setzen, haben großen Zulauf. Und für motivierte, fleißige Bäckergesellen gibt es gute Arbeitsplätze im familiären Umfeld mittelständischer Handwerksunternehmen. „Viele Betriebe machen auch zu, weil es keinen Nachfolger gibt“, ermunterte Wenz ambitionierte junge Bäckermeister zur Selbständigkeit. Bäcker sei ein schöner Beruf, motivierte der begeisterte Obermeister: Man müsse zwar früh aufstehen, habe aber auch mittags schon Feierabend.

Die mittlerweile noch 42 handwerklichen Bäckerbetriebe der Innung bilden insgesamt 155 Lehrlinge aus: 50 im Kreis Bad Kreuznach, 34 im Kreis Rhein-Hunsrück und 71 im Kreis Birkenfeld. Davon sind allerdings nur insgesamt 28 künftige Bäcker, 127 lernen Bäckerei-Fachverkäufer. „Erschreckend wenige Jugendliche lernen Bäcker“, konnte auch Fachlehrer Gerhard Ruß von der Berufsbildenden Schule TGHS in Bad Kreuznach berichten. Die seien allerdings „deutlich motiviert“, freute er sich. Kollegin Barbara Braun von der Berufsbildenden Schule Idar-Oberstein setzte sich für einen Standort ein, der von den Lehrlingen aus den drei Landkreisen gut zu erreichen ist. Sie befürchtete, wenn die ADD die wenigen Bäckerlehrlinge zur Berufsbildenden Schule beispielsweise nach Koblenz schickt, würden sich noch weniger zur Ausbildung bereitfinden. Außerdem seien kleinere Klassen gerade für Lehrlinge richtig, die als Flüchtlinge künftig deutsche Brötchen backen wollen. „Die brauchen einfach mehr Unterstützung.“

Über die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und ihre praxisnahe Umsetzung in den Bäckereien referierte Markus Theißen vom Verband des Rheinischen Bäckerhandwerks.