Zu kalt und zu nass: Imker in Deutschland bangen um Frühjahrsernte

Das kühle und regnerische Wetter in diesem Frühling vermasselt Imkern in Deutschland gerade die Honigernte:

Lesezeit: 1 Minute
Das fertige Produkt: der Honig der „Bienenbrüder“.
Das fertige Produkt: der Honig der „Bienenbrüder“.
Foto: Johannes Mario Löhr

„Die hellen Frühjahrshonige in diesem Jahr werden eher eine Rarität sein“, sagte der Leiter des Fachzentrums Bienen und Imkerei, Christoph Otten, in Mayen. Die Imker bangten um ihre Ernte, denn die anhaltende Kühle und Nässe habe den Honigbienen in den vergangenen Wochen kaum Gelegenheit zum Nektarsammeln geboten. Am gestrigen Donnerstag war Weltbienentag.

In „normalen Jahren“ verzeichneten die Bienenvölker in Deutschland zu diesem Stichtag „schon deutliche Gewichtszunahmen von bis zu 15 Kilogramm“, sagte Otten. Und: Normalerweise hätten erste Imker dann auch schon „mit der Ernte der Frühtracht“ begonnen. „Daran ist in diesem Jahr aber in weiten Teilen Deutschlands nicht zu denken“, sagte der Bienenexperte weiter. Im Gegenteil: Teilweise müssten Imker ihre Völker sogar füttern, um ein Verhungern zu vermeiden.

Das rheinland-pfälzische Fachzentrum für Bienen und Imkerei des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Westerwald-Osteifel in Mayen hat einen guten Überblick über die Lage an den Bienenständen. Denn es koordiniert ein bundesweites elektronisches Beobachtungsnetz mit Waagen, das an fast 500 Standorten in Deutschland im Fünfminutentakt Gewichtsveränderungen von Bienenvölkern ermittelt. So könne sowohl der Nahrungsverbrauch als auch der Nahrungseintrag in Form von Nektar und von den Bienen bereitetem Honig verfolgt werden, sagte Otten.

Die Imker hofften nun auf steigende Temperaturen, sodass zumindest „die Sommerernte mit einer aromatischen Honigvielfalt“ in Deutschland gesichert sei. In Deutschland gibt es rund 160.000 Imker mit insgesamt 1,1 Millionen Bienenvölkern. In Rheinland-Pfalz sind es 6500 Imker. Von den Imkern sind generell wenige Vollzeiterwerbsbetriebe. Das Honigjahr unterteilt sich in eine blütendominierte Frühjahrsernte und eine Sommerernte, die ihren Schwerpunkt auf spät blühenden Pflanzen und dem Wald hat.

Übrigens: Auch die Völker der „Bienenbrüder“ Simon Patt und Marcel Schneider leiden unter dem Wetter. Schneider elaboriert: „Das Wetter und die Ernte sind dieses Jahr eine Katastrophe. Wir mussten die Bienen auch schon füttern, da sie alles Gesammelte aufgebraucht hatten. In zwei Wochen wollten wir eigentlich ernten. Das lassen wir aber ausfallen.“

Archivierter Artikel vom 20.05.2021, 18:54 Uhr