Archivierter Artikel vom 05.01.2021, 19:01 Uhr

Wildtierparks spüren auch die Folgen der Pandemie – Futter ist ein großer Kostentreiber

Geringere Besucherzahlen und ausbleibende Einnahmen aufgrund der Pandemie machen nicht nur dem Zoo Neuwied zu schaffen. Auch in den Wildtierparks im Land wollen die Vierbeiner weiter gefüttert und das Personal bezahlt werden. Die Verantwortlichen sind aufgrund der vagen Zukunftsperspektive besorgt.

Der Tierpark Rheinböllen konnte nach eigenen Angaben im abgelaufenen Kalenderjahr rund 100.000 Besucher auf seinem Gelände begrüßen, etwa genauso viele wie 2019. Dennoch steht am Ende des Jahres ein Umsatzrückgang von rund 10 Prozent. „Um Ostern herum ist uns ein wichtiger Zeitraum verloren gegangen. Der Rückgang ist zwar verkraftbar, tut aber weh“, schildert Tierpark-Geschäftsführer Kristof Fröhlich. Er ist vor allem verärgert darüber, dass nun, im zweiten Lockdown, Tierparks in anderen Bundesländern wie Sachsen-Anhalt und dem Saarland geöffnet bleiben dürfen: „Ich hatte gehofft, dass die Politik die Lage differenzierter betrachtet.“ Ein Tag ohne Besucher kostet den Tierpark rund 1500 bis 2000 Euro. Der Park ist nach eigenen Angaben mit Eigenkapital ausgestattet. Die 30 Beschäftigten müssen sich laut Fröhlich keine Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen, „es sei denn, die Lage zieht sich noch über Monate hin.“

Auch die sechs Festangestellten und die Saisonkräfte im Wild- und Freizeitpark Westerwald in Gackenbach können nach Parkangaben ohne Sorgenfalten in das Jahr 2021 starten. Elke Krumm, die als „Gesicht des Wildparks“ oft an der Kasse sitzt, stellt gleichzeitig klar: „Es kommt alles auf dieses Jahr an, aber die Umsatzeinbußen aus 2020 sind in diesem Jahr nicht abzufedern.“ Genaue Zahlen gibt der Park nicht heraus, nur so viel: Rund 36.000 Besucher waren im vergangenen Jahr in Gackenbach zu Gast. Umsatzeinbußen seien vor allem dadurch zustande gekommen, dass an der Kasse und in den Automaten im Park kein Futter an die Besucher verkauft werden durfte, sagt Krumm: „An einem guten Sonntag sind das rund 700 Euro weniger an Einnahmen.“

Der Tier-Erlebnispark Bell ist bisher dreigleisig gefahren: Neben dem Tierpark an sich gab es eine Gastronomie mit Frühstücksbuffet am Wochenende und Dinner-Shows. „Die Gastronomie und das Varieté sind weggebrochen. Zwar hatten wir mit rund 50.000 Tierparkbesuchern ein relativ gutes Jahr, unter dem Strich steht dennoch ein Verlust von 50 Prozent“, schildert Geschäftsführer Remo Müller. Er ist sich sicher, dass das Überleben des Parks „bis zum Ende des Winters gesichert“ ist. Wenn allerdings die November- und Dezemberhilfen des Bundes nicht pünktlich kommen und sich der Saisonstart erneut verschiebt, könnte es düster werden. „Der Park kostet 30.000 Euro im Monat und auch, wenn wir bisher wirklich toll von der Bevölkerung und den umliegenden Firmen unterstützt wurden: Noch so ein Jahr schaffen wir nicht.“ tsy