Archivierter Artikel vom 17.10.2018, 10:34 Uhr

Wenn Politiker zu ihren Entscheidungen stehen ...

Die Stellungnahme von SPD-Chefin Gabi Laschet-Einig löste im sozialen Netzwerk Facebook heftige – teilweise auch sehr persönliche – Kritik aus. Man wirft ihr „Trotz“ vor, man sagt, sie wolle auf „Biegen und Brechen ihre Entscheidung durchdrücken“, man nennt sie sogar „Geldeintreiberin“. Und nicht nur sie ist das Ziel von Kritik: Pauschal wird da über Kommunalpolitiker und Stadträte geurteilt, die nicht den „Willen des Volkes vertreten“. Von Sachlichkeit keine Spur.

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Foto: Frei

Ein Forum, in dem jeder nach seiner Manier seine Meinung sagen kann. Oft ohne genügend Informationen für eine objektive Beurteilung. Ob dies ein Weg ist, konstruktive Diskussionen zu führen, oder eher eine Plattform für Frust, Ärger und gar Beleidigungen, die von Angesicht zu Angesicht eher nicht geäußert werden, mag jeder selbst beurteilen.

Und was bitte ist denn der „Wille des Volkes“, der gerade jetzt so beängstigend oft zitiert wird? Bei den Stadträten handelt es sich um gewählte Vertreter. Und jeder Bürger hat die Möglichkeit, sich selbst in ein kommunales Gremium wählen zu lassen und mitzudiskutieren und die Entscheidungen für die Zukunft der Stadt zu treffen. Das aber kostet Engagement, kostet Zeit und vor allem ungemein viel Kraft. Wer die Sitzungen des Stadtrates (aber mehr noch die endlosen Ausschusssitzungen) verfolgt – sie sind übrigens fast immer öffentlich, aber keiner kommt –, darf sich sicher sein, dass sich dort keiner Entscheidungen leicht macht. Und, wenn dann irgendjemandem eine Entscheidung persönlich nicht gefällt, wettert er auf sozialen Netzwerken munter drauf los und betreibt Meinungsmache, was das Zug hält. Immer mit dem Blick nur auf den ganz eigenen persönlichen Vorteil gerichtet.

Immerhin hatte ein Facebook-Nutzer zur SPD-Chefin ironisch kommentiert: „Eine Politikerin steht hinter ihrer Entscheidung. Wo gibt es denn so was?“ Jetzt stehen tatsächlich alle Stadträte zu ihrer Entscheidung. Geht der Sturm der Entrüstung auf Facebook jetzt weiter?

Karin Kring