Kreis Bad Kreuznach

Viel zu wenig Regen: Auch alte Buchen in den Wäldern rund um Bad Kreuznach leiden

Die Lage ist ernst und dramatisch, aber nicht völlig hoffnungslos: So beurteilt Bernhard Frauenberger, Leiter des Forstamts Soonwald, den Zustand der Bäume in der grünen Lunge des Kreises Bad Kreuznach. Ihn beunruhigt ebenso wie die grüne Umweltministerin Ulrike Höfken, die sich jüngst über die Situation im Soonwald informierte (wir berichteten), dass vor allem ältere, gestandene Buchen schon seit einigen Wochen massiv Laub verlieren – ein deutliches Zeichen dafür, dass der Klimawandel in der Region angekommen ist: „Auch er leidet nach drei Dürrejahren unter enormem Trockenstress.“ Kein Wunder, dass immer mehr Bäume schlappmachen: Durch die jüngsten drei Sommer mit viel zu wenig Regen fehlen insgesamt 270 Liter Wasser – und zwar pro Quadratmeter. Aber es gibt auch positive Nachrichten.

Von Kurt Knaudt
Lesezeit: 2 Minuten
Nicht nur im Gräfenbachtal zwischen Stromberg und Schweppenhausen sind die Folgen der anhaltenden Trockenheit nicht zu übersehen. Doch nicht alle Bäume, deren Blätter sich braun verfärben, sind dadurch automatisch dem Tode geweiht.  Foto: Monika Kirschner
Nicht nur im Gräfenbachtal zwischen Stromberg und Schweppenhausen sind die Folgen der anhaltenden Trockenheit nicht zu übersehen. Doch nicht alle Bäume, deren Blätter sich braun verfärben, sind dadurch automatisch dem Tode geweiht.
Foto: Monika Kirschner

Die bereits entstandenen Schäden sind allerdings unübersehbar. Im vorigen Jahr fiel an 69 Tagen nacheinander kein Tropfen. Weil die Böden inzwischen tiefgründig ausgetrocknet sind, schaffen es die Bäume nicht mehr, alle Teile zu versorgen. Konsequenz: Blätter werden braun und fallen ab. „Der Wald sieht so aus wie normalerweise Ende September oder sogar Oktober“, konstatiert Frauenberger. Das gilt auch für die Birke, die sich nach dem Windwurf durch die Orkane in den 1990er-Jahren im Soonwald breitgemacht hat. Alle Bäume lechzen nach Wasser.

Bernhard Frauenberger, Leiter des Forstamts Soonwald in Entenpfuhl, hofft darauf, dass viele der geschädigten Bäume sich wieder erholen. Doch das setzt voraus, dass es mehr regnet als zuletzt.  Fotos: Bernhard Frauenberger
Bernhard Frauenberger, Leiter des Forstamts Soonwald in Entenpfuhl, hofft darauf, dass viele der geschädigten Bäume sich wieder erholen. Doch das setzt voraus, dass es mehr regnet als zuletzt. Fotos: Bernhard Frauenberger
Foto: Monika Kirschner

Das Wasser im Wald halten

Dagegen hilft nur eins: in nächster Zeit möglichst viel Regen. „Ohne Wasser kein Leben“, bringt es der Forstamtsleiter auf den Punkt. Er wünscht sich darüber hinaus angesichts der leidenden Bäume und der leeren Bäche, Tümpel und Teiche einen schneereichen Winter, damit der stark abgesunkene Grundwasserspiegel wieder steigt – wohl wissend, dass dies eher unwahrscheinlich ist. Niederschläge sind das A und O. Als begleitende Maßnahme gilt es, alles dafür zu tun, damit sie im Wald gehalten werden. „Das ist heute wichtiger denn je“, unterstreicht Frauenberger. Wurde bis vor etwa 30 Jahren viel unternommen, um das Wasser schnell aus den Wäldern in die Bäche und Flüsse zu leiten, so wird inzwischen das Hauptaugenmerk darauf gerichtet, einen schnellen Abfluss zu vermeiden. Diesem Ziel dient auch ein groß angelegtes EU-Life-Projekt, bei dem es auf rund 5700 Hektar darum ging, dem Wasser im Soonwald Raum zum Versickern zu geben. Dabei wurden viele Ablaufgräben wieder verschlossen. Widerstandsfähiger wird der Wald anders als bei Monokulturen auch durch verschiedene Baumarten. „Da sind wir im Soonwald schon ganz gut aufgestellt.“

Die Forstleute sind alarmiert

Doch das alles hilft nichts, wenn es nicht regnet. Darunter leiden auch in diesem Jahr einmal mehr die Fichten. Wobei die Saison des Borkenkäfers, der im Soonwald mit viel Aufwand bekämpft wird, sich langsam dem Ende entgegen neigt. Die Buche ist laut Frauenberger die wichtigste Baumart im Soonwald. Sie bildet das Grundgerüst in vielen mitteleuropäischen Wäldern. Dass ausgerechnet sie jetzt auch schon Schwächesymptome zeigt, alarmiert viele Forstleute. Doch noch ist nicht alles verloren. Nicht alle Bäume, deren Blätter sich jetzt braun verfärben, sind schon abgestorben, wie Frauenberger betont. Er hat festgestellt, dass viele von ihnen bereits die Knospen für den Austrieb im nächsten Frühjahr ausgebildet haben – und diese sind zu seiner großen Erleichterung bisher weitgehend unbeschadet.

„Die Erholungsfähigkeit des Waldes ist enorm, und die Buche ist eine zähe Baumart“, weiß der Experte. Er geht davon aus, dass sie die trockenen Jahre in ihren Genen abspeichert und sich so vielleicht langsam an den Klimawandel anpassen kann. Er sieht den Schutz des Waldes als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Viel wäre seiner Meinung nach schon gewonnen, „wenn jeder das Thema ernst nehmen und sein Verhalten ändern würde“. Dazu gehört für ihn die Erkenntnis, „dass Wasser eine endliche Ressource ist, mit der man nicht verschwenderisch umgehen sollte“.

Von Kurt Knaudt
Archivierter Artikel vom 02.09.2020, 18:21 Uhr