Archivierter Artikel vom 20.08.2020, 12:55 Uhr
Koblenz

Umweltfreundlicher Cityflitzer aus Koblenz: Mit Ca Go soll die Last zur Lust werden

Das Abenteuer Lastenrad beginnt im Turbomodus. „Da nimmst du gleich richtig Fahrt auf“, sagt Matthias Naumann. Und der muss es wissen. Der 39 Jahre alte Kölner hat das E-Lastenrad mit großgezogen. Das Bike mit der Lizenz zum familienfreundlichen Transportfahrzeug hört auf den Namen Ca Go. Mit dem Stadtflitzer auf zwei Rädern will das 2019 gegründete Koblenzer Unternehmen Ca Go Bike GmbH die Geschichte der urbanen Mobilität fortschreiben.

Von Klaus Reimann
Gute Kurvenlage: Das wendige Ca-Go-Lastenrad aus der Koblenzer Radschmiede kann im Straßenverkehr vollauf überzeugen.
Gute Kurvenlage: Das wendige Ca-Go-Lastenrad aus der Koblenzer Radschmiede kann im Straßenverkehr vollauf überzeugen.
Foto: privat

Dabei geht es nicht um höher, schneller, weiter. Weil das Lastenrad im Cityverkehr eine ernsthafte Alternative zum Auto bieten soll, kam es den Machern auf andere Attribute an. „Sicher, komfortabel, belastbar, so lautet unsere Erfolgsformel, mit der die Last zur Lust werden soll“, sagt Naumann.

Der Absatz von Lastenrädern schießt mittlerweile regelrecht durch die Decke. Der Verkauf von E-Cargobikes stieg 2019 genauso rasant wie der gesamte E-Bike-Markt, nämlich um stolze 40 Prozent – Tendenz steigend. In Corona-Zeiten sind die Radhersteller die großen Gewinner. Das Koblenzer Unternehmen kommt mit seinem wendigen Alltagsgefährt für Stadtfahrten aller Art also genau zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt.

Das Rad als Zukunftsmotor

Ca-Go-Bike-Firmengründer ist der Koblenzer Radpionier Franc Arnold. 2003 hob Arnold die Marke Ergon aus der Taufe. Im Lauf der Jahre hat sich Ergon weltweit zu einer Premiummarke für ergonomische Fahrradkomponenten entwickelt. Mit dem Lastenradprojekt plant Arnold jetzt sozusagen die innerstädtische Verkehrsrevolution. „Zwei Räder, eine Box, sehr viel Spaß und unendlich viele Parkmöglichkeiten“, so charakterisiert Arnold sein Gefährt, das er gemeinsam mit einem Team erfahrener Ingenieure und Designer aus der Automobil- und Fahrradindustrie gebaut hat. Das Lastenrad als Zukunftsmotor sozusagen.

Ein Motor, der es in sich hat. Naumann hat nicht zu viel versprochen. Obgleich mit seiner voluminösen Transportbox und dem langen Radstand von respektablen Ausmaßen, geht Ca Go ab wie der Blitz. Das Bosch-Aggregat kommt sofort auf Touren. Ca Go macht vor allem dort Spaß, wo die Stadt dem Gefährt Raum gibt.

Doch gerade an Raum mangelt es in vielen Städten noch. Busse, der mehr oder minder fließende Autoverkehr und wilde Parkmanöver machen dem Zweirad das Leben schwer. Auch weil es schnell mal eng und unübersichtlich wird im innerstädtischen Gewusel, lautet die Devise in der Lastenradkennenlernphase: Langsamer ist besser. Denn so ein Gefährt lenkt sich anders, indirekter als ein normales Bike oder E-Bike. Feingefühl ist gefordert. Und das muss sich der Pilot im besten Wortsinn erfahren. Das Fahren mit einer Hand beispielsweise, wenn der andere Arm gerade die Fahrtrichtung anzeigt, will gelernt sein. Übung macht hier nicht gleich den Meister, gibt aber die Sicherheit, die es braucht, um sich im Stadtverkehr behaupten zu können.

Einmal im Sattel, kann das Lastenrad gleich punkten. Der durchzugsstarke Motor leistet auch am Berg ganze Arbeit. Der leicht zu bedienende Fahrradcomputer hält vier Fahrmodi bereit – da ist für jeden etwas dabei. Ebenso vielfältig ist der Nutzen. Die Kleinen in die Kita, der Großeinkauf, die Lieferfahrt zum Kunden – in der aus einem leichten EPP-Material gefertigten, wasserdichten und recht stabil wirkenden Box mit einem Ladevolumen von 200 Litern ist viel Platz für die Dinge des Alltags.

Sicher und komfortabel

Mit dem Lastenrad im Straßenverkehr unterwegs, dazu noch Kinder an Bord: Wie sieht es mit der Sicherheit aus? Für die Ca-Go-Ingenieure der entscheidende Punkt. Die elastische und bruchfeste Transportbox formulierte dabei den Anspruch an die Sicherheit. „Aus diesem Anspruch heraus hat sich dann das Lastenrad entwickelt“, beschreibt Naumann die Anfänge.

Wie kann ich ein stabiles Lastenrad bauen, das leicht zu lenken und dennoch komfortabel ist, lautete die nächste Aufgabe. Die Antwort überzeugt. Die Doppelbatterie (Reichweite: rund 125 Kilometer) ist unterhalb der Box angebracht. Das sorgt für einen tiefen Schwerpunkt und zusätzliche Stabilität. Für die Kids gibt es Sicherheitsgurte und Kopfstützen. Sogar ein Autokindersitz kann befestigt werden. „Ein Novum im Bereich des Lastenrades“, so Naumann. Die Box hat abgerundete Ecken, Rahmenteile sind verkleidet.

Ob das genug der Sicherheitskomponenten ist im städtischen Verkehr, wird die Praxis zeigen. Die Frage, ob das Lastenrad eine Alternative zum Auto darstellt, beantwortet nicht das Lastenrad. Darüber entscheidet der Mut der Stadt- und Verkehrsplaner. Sind die willens, der City Platz für eine alternative, klimafreundliche Mobilität einzuräumen, dann gehört einem solchen multifunktionalen Gefährt die Zukunft. Es ist nett zur Umwelt, familienfreundlich, fördert die Fitness und kennt Parkprobleme nur dann, wenn zu Hause die Frage nach einem sicheren Stellplatz aufkommt. Vielleicht kann ja das Auto weichen ...

Das Ca Go Lastenrad soll im Oktober 2020 auf den Markt kommen. Das Einstiegsmodell gibt es für rund 6600 Euro.