Archivierter Artikel vom 03.06.2019, 05:00 Uhr
Rheinland-Pfalz

So reagieren rheinland-pfälzische Kliniken auf die neue Mindestmengenregelung

Angesichts der seit 2018 schärfer gestellten Mindestmengenregelung lichtet sich die Zahl der Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz, die künftig weiter komplexe Eingriffe an Speiseröhre und Bauchspeicheldrüse vornehmen wollen. Das geht aus einer Umfrage unserer Zeitung hervor. Zwar behalten sich viele vor, diese OPs bei Notfällen weiter durchzuführen.

Von Christian Kunst
Das Krankenhaus Maria Stern in Remagen ist eines von fünf im Land, die für 2019 eine Ausnahmegenehmigung für komplexe Pankreas-Eingriffe erhielten.
Das Krankenhaus Maria Stern in Remagen ist eines von fünf im Land, die für 2019 eine Ausnahmegenehmigung für komplexe Pankreas-Eingriffe erhielten.
Foto: Christian Koniecki

Doch selbst Krankenhäuser, die mit den Kassen früher Ausnahmegenehmigungen für diese OPs ausgehandelt haben, rudern zurück. Dazu gehört das Bad Kreuznacher Krankenhaus St. Marienwörth, das 2017 und 2018 noch eine Genehmigung der Kassen für Pankreas-OPs hatte. Bereits 2018 habe man keine planbaren komplexen Eingriffe an Pankreas oder Ösophagus mehr vorgenommen. Auch das DRK-Krankenhaus Neuwied will trotz eines Chefarztwechsels im Jahr 2017 und einer Ausnahmegenehmigung für 2017, 2018 und 2019 komplexe Eingriffe am Ösophagus nicht mehr leisten. Man liege deutlich unter der Mindestmenge. Offen sei noch, ob dies auch für den Bereich Pankreas gelte. Hier habe der neue Chefarzt im ersten Jahr seiner Tätigkeit von Juli 2017 bis Juli 2018 zwölf Operationen geleistet (die Mindestmenge liegt bei zehn), von Juli 2018 bis Ende April 2019 bislang acht.

Zwei weitere Kliniken wollen an den Eingriffen festhalten. Dazu gehört das Stiftshospital in Andernach, das für beide Bereiche seit 2017 Ausnahmegenehmigungen erhalten hat. Geschäftsführerin Cornelia Kaltenborn betont: „Es ist unser Ziel, die geforderten Mindestmengen für Pankreas- und Ösophagus-Eingriffe dauerhaft zu erzielen.“ Bereits 2018 sei dies bei Pankreas-Eingriffen gelungen, bei Ösophagus-OPs sei die Fallzahl gesteigert worden. Durch den neuen Chefarzt Prof. Dr. Martin Wolff sowie „die Leistungsfähigkeit der Anästhesie und Intensivmedizin sowie der interventionellen Endoskopie“ sieht die Klinik die Sicherheit der Patienten gewährleistet. Dazu trage auch eine Kooperation mit der Uniklinik Bonn bei.

Ähnlich argumentiert auch das Verbundkrankenhaus Linz-Remagen, das für den Standort Remagen seit diesem Jahr eine Ausnahmegenehmigung für Pankreas-Eingriffe erhalten hat. „Es gab personelle Aufstockungen auf Facharztebene, und inzwischen ist es das gesamte Team, das das Unvermögen, den Patienten vor Komplikationen zu bewahren, ausschließt.“ Auch hier gibt es eine Kooperation mit der Bonner Uniklinik. Angaben über Fallzahlen macht die Klinik nicht.