Archivierter Artikel vom 31.08.2019, 10:56 Uhr

RZ-Kommentar: Ein Typ, der Bad Ems spaltete

Michaela Cetto zu Berny Abt:

Michaela Cetto
Unsere Redakteurin Michaela Cetto.
Foto: RZ

Er ist schon ein Typ, dieser Berny Abt, der mit seiner Kandidatur 2009 tüchtig Wind in die Stadtpolitik brachte. Unkonventionell, unangepasst und für manchen Wegbegeleiter unbequem erreichte er auch Menschen, die sich vorher nicht für Politik interessierten. Attribute, die seinen Mitstreitern einfallen, sind „hartnäckig“, „authentisch“ „weicher als man denkt“, „mutig“, „verlässlich“. Allen gefallen hat Berny Abt nicht. Schnell auf „Du“ mit Gott und der Welt nahm er selten ein Blatt vor den Mund und scheute sich nicht, Menschen direkt mitzuteilen, was er von ihnen oder dem, was sie tun oder nicht tun, hält. Vor allem seine Diskussionsfreudigkeit und direkte Ausdrucksweise auf Social-Media-Plattformen brachten ihm Likes, aber auch Kritik ein. Abt fand Gefallen daran, der Verwaltung Feuer unterm Stuhl zu machen, den Finger in Wunden zu legen und dort zu rühren, wo sonst niemand rührt. Und dabei überholte manchmal der Fernsehmann auf der Suche nach Skandal und Wahrheit den Stadtbürgermeister.

Letzteren hat er nun an den Nagel gehängt. Politik ist Geschichte, aber Bad Emser bleibt er. Und will weiterhin mit der Hand auf dem Herzen und dem Herz auf der Zunge verfolgen, wie es mit seiner Stadt weitergeht. Als geschmeidiger Gutmensch wird Berny Abt nicht in die Geschichte von Bad Ems eingehen. Aber er wird nachhallen.

E-Mail: michaela.cetto@rhein-zeitung.net