Archivierter Artikel vom 29.06.2022, 18:00 Uhr
Andernach

Planer stellen neues Konzept vor: Parken ist in Andernach zu günstig

Die Erkenntnis, die Ralf Huber-Erler, Geschäftsführer des Verkehrsplanungsbüros R+T, den Mitgliedern im Mobilitätsausschuss zu Beginn seiner Präsentation des neuen Parkraumkonzepts für die Andernacher Innenstadt präsentierte, mag für viele Autofahrer wie Hohn klingen: „Wir haben in Andernach genügend Parkmöglichkeiten“, erklärte er.

Von Martina Koch
Die Parkplätze in der Konrad-Adenauer-Allee sind aufgrund ihrer Nähe zur Fußgängerzone, zum Stiftshospital und zu den Rheinanlagen äußerst beliebt, während der Parkplatz am Bollwerk oft halb leer steht. Ein Parkraumkonzept soll die Nachfrage nach Parkraum besser verteilen. Foto: Martina Koch
Die Parkplätze in der Konrad-Adenauer-Allee sind aufgrund ihrer Nähe zur Fußgängerzone, zum Stiftshospital und zu den Rheinanlagen äußerst beliebt, während der Parkplatz am Bollwerk oft halb leer steht. Ein Parkraumkonzept soll die Nachfrage nach Parkraum besser verteilen.
Foto: Martina Koch

Dass viele Anwohner, Beschäftigte oder Besucher dennoch regelmäßig länger nach einem freien Stellplatz suchen, sei der unterschiedlichen Verteilung des Parkdrucks in der Innenstadt geschuldet.

Ein Parkraumkonzept könne dazu beitragen, die Nachfrage nach Parkraum besser zu lenken. Das wirkungsvollste Instrument dazu sei – auch diese unbequeme Erkenntnis ersparte Huber-Erler den Gremiumsmitgliedern nicht – die Gebührenschraube: „Die Parkgebühren sind auch im Vergleich mit anderen Städten zu gering.“

1615 Parkplätze stehen zur Verfügung

Wie unterschiedlich die öffentlich verfügbaren Stellplätze in der Andernacher Innenstadt ausgelastet sind, zeigt eine Analyse der Nachfrage, die die Mitarbeiter von R+T mithilfe einer Fahrzeugerfassung gefertigt haben. Da die erhobenen Daten aus dem vergangenen November und damit aus der Zeit des Lockdowns stammen, müsse man davon ausgehen, dass die Auslastung der Parkplätze inzwischen etwas höher liegt, schickte Huber-Erler vorneweg.

Insgesamt verfügt die Andernacher Innenstadt über 1615 öffentlich zugängliche Parkstände – die Parkhäuser nicht mitgerechnet. Davon sind weniger als die Hälfte gebührenpflichtig: Auf 671 Parkplätzen zahlen Parker für die erste Stunde 80 Cent, für jede weitere Stunde 50 Cent. 300 weitere Parkplätze stehen für Inhaber eines Bewohnerparkausweises zur Verfügung. Über alle Parkflächen gerechnet komme man auf eine maximale Auslastung von 80 Prozent erläuterte Huber-Erler, somit blieben im Schnitt 320 Parkplätze frei.

Ums Stiftshospital fehlen Parkplätze

Allerdings gibt es Bereiche in der Andernacher Innenstadt, in denen – zumindest in bestimmten Zeitfenstern – alle Parkplätze belegt sind. Das gilt etwa für die Straßen rund um das St.-Nikolaus-Stiftshospital, die Altstadt in der Nähe der Rheinanlagen sowie die Breite Straße. Reserven gebe es hingegen auf den bewirtschafteten Parkplätzen – etwa am Bollwerk oder auf den gebührenpflichtigen Stellplätzen am Güterbahnhof.

In den Bereichen, in denen es unbewirtschaftete Parkplätze gibt, steigt der Parksuchverkehr exponentiell an, beschreibt Huber-Erler: „Jeder fährt da erst mal hin, um zu schauen, ob einer frei ist.“ Insgesamt zählten die Verkehrsplaner pro Tag 5500 Parkvorgänge – und entsprechend viel Verkehr. Ein großes Parkplatzangebot in der Innenstadt sei an zweischneidiges Schwert, betonte Huber-Erler: „Man möchte Kunden in der Stadt haben, aber man generiert dadurch viel Autoverkehr.“

„Wir haben in Andernach genügend Parkmöglichkeiten.“

Verkehrsplaner Ralf Huber-Erler und sein Team haben die ungleiche Verteilung des Parkdrucks in der Innenstadt dokumentiert.

In dem neuralgischen Bereich rund um das Stiftshospital werde sich die angespannte Situation durch ein geplantes Mitarbeiterparkhaus im Augsbergweg sowie das Angebot von Tiefgaragenplätzen im geplanten Neubau auf dem Ernestusplatz lindern lassen. Dennoch komme man in der Andernacher Innenstadt nicht darum herum, die Nachfrage stärker als bisher zu lenken. Huber-Erler schlägt der Stadt vor, in der Innenstadt keine kostenlosen Parkplätze mehr vorzuhalten. Die Bewirtschaftung könnte dann mit einer Mischung aus Bewohnerparken und gebührenpflichtigen Stellplätzen geregelt werden.

Denkbar wäre dabei die Einrichtung von zwei oder drei Gebührenzonen: Je näher sich der Parkplatz an den Kernbereichen der Innenstadt befindet, desto höher wäre die stündliche Gebühr, während man in den Randbereichen günstiger parken könnte. Unabhängig davon, wie viele Gebührenzonen man wählen würde, müssten die Parkgebühren steigen, ist der Verkehrsplaner überzeugt.

Vorschlag: Mehrere Parkzonen einrichten

Möglich wäre etwa ein dreistufiges Modell mit 1 Euro, 2 Euro und 3 Euro Parkgebühr pro Stunde oder ein zweistufiges Modell mit 0,80 Euro und 1,5 Euro pro Stunde. Die Gebühren dürften jedenfalls nicht niedriger sein als in den drei Parkhäusern der Innenstadt. Dort stünden nämlich stets freie Plätze zur Verfügung: Im neuen Parkhaus am Runden Turm erfassten die Verkehrszähler eine abendliche Maximalauslastung von 24 Prozent der Stellplätze, tagsüber waren lediglich 15 Prozent belegt.

Eine öffentliche Aussprache zu dem vorgestellten Parkraumkonzept verschoben die Ausschussmitglieder auf eine der kommenden Sitzungen. Man wolle zunächst intern über die Vorschläge der Verkehrsplaner beraten. Huber-Erler forderte die Fraktionen dazu auf, nicht vor einer Gebührenerhöhung zurückzuscheuen: „Zielnahe Parkplätze müssen etwas kosten. Wenn die Qualität stimmt, sind die Menschen auch bereit etwas zu zahlen.“