Archivierter Artikel vom 19.04.2021, 19:40 Uhr

Namensgeber Bruchmüller gilt als Erfinder der tödlichen „Feuerwalze“

Der Bau der Deines-Bruchmüller-Kaserne reiht sich in eine Vielzahl von Bauvorhaben aus den Jahren 1935 bis 1939 ein. Ihre Architektur spiegelt den Geist der NS-Zeit wider: Eine strenge geometrische Baugliederung und auch die Größe und Wuchtigkeit sowie massive Ausführung der Bauten sollten im Dritten Reich Stärke und Wehrhaftigkeit zum Ausdruck bringen. Ursprünglich handelt es sich um zwei Kasernen mit 130 000 beziehungsweise 105.000 Quadratmetern: die Deines- und die Bruchmüller-Kaserne.

Sie waren für ein Artillerieregiment und eine motorisierte Artillerieabteilung geplant. Der Spatenstich erfolgte am 1. September 1937. Beide Kasernen wurden am 13. November 1938, also nach gut 14 Monaten Bauzeit, übergeben. Benannt ist die Kaserne zum einen nach Gustav Adolf von Deines (1852 bis 1914). Deines war preußischer Offizier, zuletzt General der Artillerie. Er strukturierte die Artillerie so um, dass sie im beweglichen Gefecht genutzt werden konnte. Zweiter Namensgeber war Artillerieoffizier Georg Bruchmüller (1863 bis 1948), der diese Umgestaltung im Ersten Weltkrieg höchst effektiv und brutal einsetzte – er gilt als Erfinder der doppelten „Feuerwalze“: Die erste Walze verfeuerte flüchtige Reizstoffe (Blaukreuz) und tödliche Lungenkampfstoffe (Grünkreuz) auf die gegnerischen Artilleriestellungen, die zweite Walze bestand aus Sprenggranaten. Die Verbindung mit Niederlahnstein bestand durch das hier stationierte Artillerieregiment 70, dem Bruchmüller jahrelang als Offizier angehört hatte. 1939 wurde er sogar zum Ehrenbürger von Niederlahnstein ernannt. Heute sind in der Kaserne Teile des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) untergebracht. Dafür wurden sechs viergeschossige Bürogebäude in Modulbauweise (Kosten: 42,3 Millionen Euro) installiert. Bis zum Jahr 2023 sollen 2850 Bundeswehrangehörige in der – dann ehemaligen – Deines-Bruchmüller-Kaserne ihren Dienst tun. tl