Archivierter Artikel vom 18.09.2018, 19:22 Uhr
Rheinland-Pfalz

Kopie von Personalie Gensch: Ein General mit Gewinner-Gen

Generalsekretäre der CDU – das waren in der Vergangenheit oft beinharte Hunde. Peter Hintze polemisierte mit der „Rote-Socken-Kampagne“, und selbst der später so besonnene Heiner Geißler war einst aggressiver Parteipolitiker, nannte die SPD die „Fünfte Kolonne Moskaus“. Dass Christoph Gensch früher bei Borussia Neunkirchen in der Fußball-Oberliga verteidigte, passt da ins Bild. Vorne die Zauberer, hinten die Männer fürs Grobe. Doch Gensch wird diesem Bild nicht gerecht. Der Mann, der am 20. Oktober Generalsekretär der Landes-CDU werden soll, beschreibt seinen Politikstil so: „Hart in der Sache, moderat im Ton.“ So kennt man den 39-jährigen Pfälzer.

Von Carsten Zillmann
Tritt in die Fußstapfen von Heiner Geißler und Peter Hintze: Christoph Gensch soll neuer Generalsekretär der Landes-CDU werden. Aggressive Parteipolitik ist ihm allerdings fremd.  Foto: dpa
Tritt in die Fußstapfen von Heiner Geißler und Peter Hintze: Christoph Gensch soll neuer Generalsekretär der Landes-CDU werden. Aggressive Parteipolitik ist ihm allerdings fremd.
Foto: dpa

Einen aus seiner Sicht treffenderen Sportvergleich hat der Facharzt für Innere Medizin auch parat: „Andreas Scheuer sagt, er sei der Synchronschwimmer der Parteivorsitzenden. Ich kann kein Synchronschwimmen. Mit mir kann man aber als Team in die gleiche Richtung schwimmen.“ Die Landesvorsitzende Julia Klöckner, die sich schon lange auf den Mann aus Zweibrücken festgelegt hatte, sollte sich beim metaphorischen Bad allerdings auf Seegang einstellen. Denn Gensch plant, dem Landesverband „eigene Impulse und Ideen“ zu vermitteln. Dazu gehört für ihn eine Streitkultur.

Klare Kante gegen die Groko

„Einige Dinge müssen wir etwas stärker in den Fokus rücken“, sagt Gensch. „Die Volkspartei ist ein Erfolgsmodell. Aber sie braucht Meinungspluralismus und Diskussionen. Das wurde bisher immer sehr negativ gesehen – mit spalterischem und zersetzendem Charakter. Doch diesen Pluralismus muss man inhaltlich und personell erkennbar abbilden.“ Exemplarisch dafür steht seine Haltung zur Großen Koalition: „Ich war klar gegen eine Fortsetzung.“ Also Krawall bis zum Ende? „Nein“, sagt Gensch. „Es gehört auch zur Demokratie, Konsens zu akzeptieren und dann auf der Sachebene zu arbeiten.“

Klöckner lobte Gensch, den sie seit 2011 kennt, für seine „konzeptionelle und strukturelle Parteiarbeit“, nennt ihn einen „idealen Parteimanager“. Ein Grund für Klöckners Vorschlag war auch, dass Gensch das Direktmandat Zweibrücken bei der Landtagswahl 2016 gewann: „Das hat mir sehr imponiert, dass er in einer Region, die absolut SPD-regiert war, den Wahlkreis gewonnen hat“, sagte die Bundeslandwirtschaftsministerin. Dass Klöckner zunächst mit dem politischen Geschäftsführer Jan Zimmer auf eine Übergangslösung setzte, war mit Gensch abgesprochen. Der musste einige Dinge – privat wie beruflich – neu organisieren. Denn gemeinsam mit seinem Vater betreibt er eine Praxis in Zweibrücken. Dort will er auch weiter präsent sein. „Es ist eine Sache der Organisation“, sagte Gensch, der außerdem Zeit mit seinem zweijährigen Sohn verbringen möchte.

Gensch will ran an die Menschen

Wird er am 20. Oktober vom Parteitag gewählt, stürzt er sich sofort in den Kommunal- und Europa-Wahlkampf. Vor allem die unterste Ebene ist ihm sehr wichtig. „Weil wir dort einfach Themen besser greifbar machen können“, sagt er. Sein Beispiel: Der Landtag diskutiert gern darüber, ob es 9200 oder 8250 Polizisten für die Sicherheit der Bürger braucht. „Das ist abstrakt“, erklärte er. „Aber wenn es vor Ort nur noch fünf statt acht Beamte gibt, von denen drei nur eingeschränkt dienstfähig sind, begreift es jeder.“

Dass er an der Entwicklung des Programms nicht als Generalsekretär beteiligt war, findet er unproblematisch. „Ich stehe in engem Austausch mit Gordon Schnieder, dem kommunalpolitischen Sprecher. Deswegen gibt es für mich keine Überraschungen.“

Wenn Gensch vom 20. Oktober an als General vorweg marschiert, könnte das für die CDU einen weiteren Vorteil haben. Während seine Partei gerade bei Landtagswahlen mehrfach unterlag, ist Gensch ein Gewinnertyp. Mit Borussia Neunkirchen schnappte er 2006 den Amateuren des 1. FC Kaiserslautern die Oberliga-Meisterschaft vor der Nase weg.

Von unserem Redakteur Carsten Zillmann

Kommentar: Klöckner landet einen Volltreffer

Christoph Gensch wird (vorbehaltlich der Wahl) neuer Generalsekretär der CDU in Rheinland-Pfalz. Die Landesvorsitzende Julia Klöckner landet damit in nahezu jeder Hinsicht einen Volltreffer.

Carsten Zillmann
Carsten Zillmann
Foto: Jens Weber

Gensch ist rhetorisch und intellektuell in der Lage, das Profil der Partei zu schärfen. Von ihm dürfen Impulse erwartet werden. Das wäre allerdings noch kein Alleinstellungsmerkmal. Der Mediziner aus Zweibrücken bringt mehr mit. Gensch ist ein Typ, der gern streitet und zuspitzt, letztlich aber das Wohl der Partei im Blick hat. Debatte? Ja! Aber gibt es einen Konsens, müssen ihn alle tragen. In einem Landesverband, in dem Individualisten gern querschießen, sind das perfekte Voraussetzungen für einen Generalsekretär. Gensch versteht beide Seiten und wird selbst attackieren.

Angenehmer Nebeneffekt: Klöckner fördert mit dem 39-Jährigen einen Politiker der nächsten Generation, der qua Vita sehr fest im Land verankert ist. Obendrein ist er einer der wenigen Gewinner der vergangenen Landtagswahl: Gensch eroberte einen roten Wahlkreis.

Lediglich der Regionalproporz könnte zum Problem werden. Auf den Spitzenpositionen von Partei und Fraktion tummeln sich mit Christian Baldauf, Martin Brandl, Christine Schneider und nun Gensch auffällig viele Pfälzer.

E-Mail: carsten.zillmann@rhein-zeitung.net

Meistgelesene Artikel