Archivierter Artikel vom 01.04.2022, 11:30 Uhr
Kirn

Kommentar zur Halbzeit für Kirns Stadtbürgermeister: Es gibt viel zu stemmen für Obelix

Wissen Sie noch? Wahlkampf 2020. Frank Ensminger lief beim Rosenmontagszug als „Doktor“, behandelte Patienten. Seine Gegnerin im Wahlkampf, Christa Hermes, fuhr hoch auf dem Komiteewagen, grüßte huldvoll ins Narrenvolk. Rosenmontagszug, das klingt, als wäre es Jahrzehnte her.

Von Armin Seibert

Armin Seibert kommentiert. Foto: RZ
Armin Seibert kommentiert.
Foto: RZ

Ensminger war im Wahlkampf auch als Obelix unterwegs, als Mann der Tat für Asterix, den in Kirn Thomas Bursian, FDP-Chef und Kreisvorsitzender, verkörperte. CDU-Kandidatin Hermes wurde von der stärksten Ratsfraktion, der SPD, unterstützt. Von daher kam ihre krachende Niederlage überraschend. Aber unverhofft kommt oft – so wie der Kantersieg von FDP-Mann Letz in Kreuznach.

Der hat, anders als Ensminger in der zweitgrößten Stadt des Kreises, eine Verwaltung greifbar. Die hat Ensminger nicht, denn er regiert ehrenamtlich. Das wird oft kritisiert. Und es ist nicht nur aus meiner Sicht, mit Verlaub „ein Witz!“, was sich das Land hier leistet. Eine Stadt mit 8500 Einwohnern, eine Stadt mit einer Spitzenmigrationsquote, mit nach wie vor Strukturproblemen nach dem Wegfall von fast 4000 Lederarbeitsplätzen. Man kann nicht Gesetze schmieden und überall Pflichtaufgaben einbauen (Kita, Feuerwehr, Soziales, Denkmalschutz, Hochwasser) und einen Stadtbürgermeister mehr oder weniger im Regen stehen lassen.

Der muss sich in die Reihe der 20 Ortsgemeinden einfügen. Als sich das abzeichnete, dass Kirn im Prinzip eingemeindet wird und der Juniorpartner der Dörfer wird, gingen die Proteste durch die Decke. Altbürgermeister Fritz Wagner war vorn dabei, als 2000 Unterschriften gegen die Fusion gesammelt wurden. Es ging nicht gegen die Zusammenarbeit, die Bürgermeister Kilian vorschlug etwa bei Werken oder Sozialamt. Gespart hat man seither kaum. Wer will das jemals ausrechnen? Frank Ensminger hat in der Zeit viel dazu gelernt, müht sich, arbeitete sogar als Patient aus dem Krankenhaus. Er hat sich etabliert, kann sich auf seine Familie und etliche Verwaltungskollegen verlassen.

Dass es im Rat und in Sitzungen mal „rumpelt“, liegt wohl auch daran, dass FDP in vergangenen Jahrzehnten oft die Oppositionsrolle spielte, mal einen Etat von Fritz Wagner ablehnte. Aber die „Retourkutschen“ für damaliges Gemeckere sind seltener geworden. Was würde es auch bringen? Kirn muss ehrenamtlich regiert werden, da sind die Stadträte mehr als früher gefordert mitzuziehen. Mit seinen Beigeordneten Christa Hermes und Michael Kloos klappt es gut, sagt Ensminger. Mit VG-Verwaltungschef Thomas Jung auch wieder. Man war in Sachen Hausarzt-MVZ aneinandergerasselt, aber „Lucky TJ“ (in Anlehnung an Cowboy Lucky Luke) und Obelix haben schnell das Kriegsbeil begraben. Muss ja weitergehen!

Halbzeit bei Ensmingers Amtszeit, garniert mit dem 60. Geburtstag: Das regt zu Rück- und Ausblick an. Zwei positive Haushalte kann er vorlegen. „Ich kann nicht so viel dafür“, sagt er bescheiden. Aber freuen kann man sich ja wohl. Genau. Das sollte er zum runden Geburtstag ruhig tun. Denn Kirn hat in viele Baustellen vor der Brust: Kitabau, Kanalprojekte in der Innenstadt, Einzelhandel. Es gibt viel zu tun und zu stemmen für Obelix.