Archivierter Artikel vom 16.02.2022, 14:43 Uhr
Idar-Oberstein

Kommentar zum Hotelprojekt in Idar-Oberstein: Zwischen Abrissbirne und künftigem Herzstück

Das muss man Investor Dag Stein-Herzberger lassen: Er ist keiner, der um den heißen Brei herumredet. Er spricht eine deutliche Sprache, gern auch mit Kirner Dialekt gefärbt: „Mein Angebot steht. Nehmt es an oder lasst es bleiben“ – so lässt sich das übersetzen, was er unter dem Strich gesagt hat. Ein wenig mahnend könnte man den Satz „Ich kann auch anders“ ergänzen. Und warum wird er so überdeutlich? Weil er es kann!

Von Vera Müller

Vera Müller.
Vera Müller.
Foto: Jens Weber

Oberbürgermeister Frank Frühauf freut sich bekanntlich über jeden Investor – vor allem in Idar, wo das Potenzial nicht gerade unerschöpflich ist. Was der Investor kann, weiß man jetzt. Was können Bauausschuss und Stadtrat? Einer Änderung des Bebauungsplans nicht zustimmen, die Pläne ausbremsen. Das allerdings nur ein Stück weit.

Stein-Herzberger kann jederzeit entscheiden, ob er mit der Abrissbirne kommt und die Marktschule dem Erdboden gleichmacht: Dann ist sie weg. Für immer. Die Alternative beziehungsweise der Preis für den Erhalt eines Stücks Stadtgeschichte, an dem viele Idarer hängen: den Hotelbau (vielleicht mit einem Stirnrunzeln) in Kauf nehmen und miterleben, wie in die Marktschule altes und junges Leben einziehen. Die Pläne für die Nutzung des Idarer Herzstücks wirken schlüssig und sehr sympathisch. Da hat der mögliche Betreiber, Christian Grimm, einen sehr emotionalen und engagierten Auftritt hingelegt.

Klar ist auch: OB Frühauf braucht perspektivisch Fingerspitzengefühl. Nachhaltig, zukunftsweisend, wirtschaftlich sinnvoll – da ist man auch schnell bei den Adjektiven höher, schneller, weiter. Aber: Man muss die Menschen mitnehmen und darf sie nicht überrollen. Die Stadt muss sich entwickeln und für die Zukunft aufstellen, keine Frage. Sie muss aber auch ihren Charakter bewahren dürfen.

Alle Bedenken sind berechtigt und müssen in die Diskussion einfließen. Wollen wir, wollen wir nicht? Und wenn wir nicht wollen: Was ist dann die Alternative oder Perspektive? Darauf müssen Kritiker des Gesamtprojekts Antworten finden. Wenig hilfreich sind indes eher provozierende und patzige Antworten wie die von Dietmar Brunk. Der Leiter der Idar-Obersteiner Tourist-Info verärgerte die anwesenden Hotelbetreiber und einige Zuhörer ohne Not.

E-Mail an vera.mueller@rhein-zeitung.net