Archivierter Artikel vom 07.07.2022, 14:23 Uhr
Idar-Oberstein

Kommentar zum Behördenschießen in Idar-Oberstein: Das Fingerspitzengefühl fehlte

Kurt Tucholsky hat den Satz geprägt: „Was darf Satire? Alles.“ – Darf sie, zumindest vieles. Darf sie Menschen verletzen, Ehrenamt ins Lächerliche ziehen, eine Tradition zur Karikatur machen? So wie jüngst beim Behördenschießen in Idar-Oberstein?

Von Vera Müller

Vera Müller.
Vera Müller.
Foto: Jens Weber

Man muss Roepke und Decker glauben, wenn sie sagen, dass das ganz sicher nicht die Absicht war. Beide engagieren sich selbst ehrenamtlich und bringen ihre Wertschätzung für Vereine und Gruppierungen stets deutlich zum Ausdruck. Letztlich war es zweifellos keine Absicht, aber durchaus das Ergebnis der Aktion am und um den Schießstand.

Und da haben die Verantwortlichen beim Schützenverein einen triftigen Grund, so richtig sauer zu sein und verbal scharf zu schießen. Damit müssen Satiriker leben. Die Gruppe um Monja Roepke, die als Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtrat nun mal ein recht exponiertes Ehrenamt innehat, hätte sich vom Agieren der Satire-Partei um ihren Ehemann distanzieren müssen. Da wären mehr Fingerspitzengefühl und Weitsicht gefragt gewesen. Nicht überall passt jede Inszenierung hin, auch wenn sie an Ironie gekoppelt ist.