Archivierter Artikel vom 13.01.2022, 21:27 Uhr

Kommentar zu Labontes Abschied: Ein feines Näschen für Stimmungen

Ohne Gegenwind lässt sich ein Mittelzentrum wie Lahnstein kaum führen – vor allem nicht 24 Jahre lang. Und schon gar nicht, wenn man streitbare Geister wie Edi Wolf und Werner Konrad im Stadtrat sitzen hat. Peter Labonte musste einige Stürme über sich ergehen lassen, mitunter auch Angriffe unter der Gürtellinie.

Von Tobias Lui

Wenn ihm Wolf oder Konrad keine Knüppel zwischen die Beine warfen, sorgten die Kabbeleien mit SPD-Dauerrivalin Gabi Laschet-Einig für den nötigen Fahrtwind. Und auch mit der (eigenen) CDU-Fraktion musste der 67-Jährige den ein oder anderen Strauß ausfechten – man erinnere sich an den Streit um die Verlegung des Radwegs am Niederlahnsteiner Rheinufer. Am Ende setzte sich meist der sehr wortgewandte Labonte durch, den man mit Argumenten schwer greifen konnte.

Zu eloquent und taktisch geschickt zog er gemeinsam mit Büroleiter Winfried Ries die Fäden. Beide ließen die Gegner oft am langen Arm verhungern. Unliebsame Dauerstreitthemen wanderten gern mal ans Ende der Tagesordnung einer Sitzung – nicht selten fehlte es den ehrenamtlichen Ratsmitgliedern dann an Kondition und Lust, nach vier oder fünf Stunden noch einmal mit vollem Elan mit dem Stadtchef in den Ring zu steigen.

Eines konnte man Peter Labonte allerdings nie vorwerfen: mangelnden Respekt vor den ehrenamtlichen Gremien. Labonte blieb stets bestimmt aber freundlich im Ton und schaffte es – hier lag wohl seine größte Stärke – am Ende doch, eine Mehrheit auf ein Ziel einzuschwören. Nur auf diese Weise konnten Millionenprojekte wie der Bau der Feuerwache oder der Umbau der KW-Schule trotz katastrophaler Finanzlage gelingen.

Labonte zeichneten nicht die innovativen Ideen oder Visionen aus, die man sich vielleicht von einem Stadtchef wünscht. Aber er hatte ein feines Näschen für Stimmungen in der Bevölkerung und in den Gremien, schaffte es, viele mitzunehmen. Er hatte außerdem ein Talent, Ideen anderer zu den seinen zu machen – und anschließend auch zu denen der Gremien. Auch deshalb hat sich Lahnstein unter OB Labonte von einem Kandidaten zur Eingemeindung durch die Stadt Koblenz zu einem Mittelzentrum mit Zukunft gewandelt.

Dass ihn das taktische Gespür in den vergangenen zwei Jahren ein wenig verließ, war wohl den gesundheitlichen Problemen geschuldet. Seine insgesamt sehr, sehr ordentliche Bilanz trübt dies nicht.