Archivierter Artikel vom 26.06.2022, 19:37 Uhr

Kommentar: Scholz muss zum Gipfelstürmer werden

Olaf Scholz ist erstmals als Bundeskanzler Gastgeber bei einem großen internationalen Gipfel. Die „Gruppe der Sieben“, der wirtschaftsstärksten Demokratien, ist beim deutschen Regierungschef zu Gast – in den malerischen bayerischen Alpen.

Von Kerstin Münstermann

Die Staats- und Regierungschefs der USA, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens, Kanadas und Japans sind nach Elmau gereist, ebenso wie EU-Ratspräsident Charles Michel und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Zudem hat Scholz fünf Gastländer eingeladen: Indonesien, Indien, Südafrika, Senegal und Argentinien. Das Bild, als Angela Merkel als Kanzlerin und der damalige US-Präsident Barack Obama vor Schloss Elmau praktisch die Welt umarmten, ist Geschichte. Die Welt war auch 2015 nicht heil – damals waren wegen der Annexion der Krim aus den G8 bereits die G7 geworden, Russland war schon nicht mehr dabei.

Doch nun droht nicht nur die Gefahr eines Weltkriegs, sondern auch einer gewaltigen Hungersnot. Der russische Präsident Wladimir Putin hat die Welt im Februar aus den Angeln gehoben – es muss den G7 nun vor allem darum gehen, nicht die Deutungshoheit zu verlieren. Russland umwirbt derzeit verstärkt die größte Demokratie der Welt, Indien, schon mit ziemlichem Erfolg. Leider.

Mit der Einladung an Südafrika und Indien etwa versucht Scholz, diese nicht in die Hände Russlands und Chinas abgleiten zu lassen, sondern sie als Verbündete zu gewinnen. Scholz muss eine Strategie der G7 schmieden und Widersprüche erklären. Denn zum einen will Scholz den von ihm initiierten Klimaklub international weiterschmieden – gleichzeitig bemühen sich seine Berater darum, rund um den Globus fossile Energien für Deutschland zu gewinnen. Diesmal kann es auf keinen Fall nur bei einem ikonischen Bild mit Alpenpanorama bleiben.