Archivierter Artikel vom 01.02.2022, 11:43 Uhr
Betzdorf

Kommentar: Gerade in Corona-Zeiten an unsere Geschichte denken

Dass immer wieder an das dunkelste Kapitel unserer Geschichte erinnert werden muss, das zeigen die aktuellen „Spaziergänge“ gegen die Corona-Maßnahmen, auch im AK-Land. Wer da mitgeht, nimmt sein Recht auf Demonstrationsfreiheit wahr, ja. Wahr ist auch, dass er sich gegen demokratisch gefasste Beschlüsse wendet.

Von Peter Seel

RZ-Redakteur Peter Seel liest den Weihnachtskrimi.
RZ-Redakteur Peter Seel liest den Weihnachtskrimi.
Foto: RZ

Und wahr ist ebenso, dass er sich mit Gruppierungen in einem Topf wiederfindet, die am ultrarechten Rand fischen und sich in geistiger Nähe befinden mit denen, die einst das Mörderregime der Nazis möglich gemacht haben.

Auch den „Spaziergängern“ hier bei uns kann es doch nicht entgangen sein, dass zu ihren „Weggefährten“ anderswo in Deutschland Leute gehören, die sich erbärmlicherweise den von den Nationalsozialisten verwendeten „Judenstern“ anheften und sich als Corona-Leugner oder Impfgegner mit den Verfolgten, Gefolterten und Ermordeten von damals vergleichen.

Wer bei uns mitdemonstriert, muss doch mitbekommen haben, dass anderswo bei solchen Anlässen Politiker mit dem Tod bedroht werden? Dass in gewissen Internetforen zum Mord aufgerufen wird? Dass eine Westerwälderin, die für die AfD in einem Ausschuss des Kreises Altenkirchen sitzt und Verbindung zu rechtsradikalen Gruppen hat, den Brandanschlag aufs Rathaus Altenkirchen im Internet beklatschte?

Jenseits aller Corona-Diskussionen müsste sich jeder Demokrat, ganz gleich, wie sehr ihn der Pandemie- bedingte Verzicht auf so vieles auch nervt, kategorisch von diesen Demonstrationen fernhalten.

Klasse, dass es junge Leute gibt wie die am Gymnasium Betzdorf, die sensibler mit unserer Geschichte umgehen als manche ältere – und damit sogar deutlicher Farbe bekennen als insbesondere einige heimische Berufspolitiker quer durch die Parteien, die sich diesbezüglich immer noch wegducken. Dabei müssten sich doch die, die das „bürgerliche Lager“ vertreten, klar von denen abgrenzen wollen, die sich oft ebenfalls „bürgerlich“ nennen – AfD und Konsorten, die unsere Demokratie verachten und ihr schaden wollen. Wird hier lieber nach Wählerstimmen geschielt?

E-Mail: peter.seel@rhein-zeitung.net