Archivierter Artikel vom 20.05.2022, 16:58 Uhr
Westerburg

Kommentar: Eine andere Form des Gedenkens

Ist das Verlegen von Stolpersteinen wirklich der Weisheit letzter Schluss, wenn es darum geht, der einstigen jüdischen Mitbürger einer Stadt in würdevoller Weise zu gedenken? Die Stadt Westerburg hat bislang einen anderen Weg gewählt.

Von Michael Wenzel

Michael Wenzel.
Michael Wenzel.
Foto: Jens Weber

Das ist keinesfalls verwerflich, sondern zeigt, dass man auch anderer Ansicht sein kann, wenn es um Gedenkarbeit geht. Auch das ist gelebte Demokratie. In Westerburg erinnern zwei Gedenktafeln und eine Stele an die Geschichte der jüdischen Mitbewohner.

Es gibt einen jüdischen Friedhof am Rande der Stadt, der gepflegt wird, und der vielen Menschen als ein Ort der Erinnerung dient. Die frühere Stadtarchivarin Maria Meurer hat in jahrelanger Recherche die Geschichte der Westerburger Juden aus dem Halbdunkel der Geschichte ans Tageslicht gefördert.

Wer jetzt sagt, das alles reiche noch nicht und die Stadt habe hier noch dringenden Nachholbedarf, weil andere Kommunen im Westerwald längst schon Stolpersteine verlegt haben, dem kann man nun entgegenhalten, dass spätestens mit der Einführung des aktuell in Arbeit befindlichen digitalen Stadtführers, in dem auch der Geschichte und dem Schicksal der jüdischen Mitbürger in Westerburg breiter Raum eingerichtet wird, dies, zumindest was die Vermittlung von Informationen betrifft, weit über das hinausgeht, was ein Stolperstein an Fakten bereithalten kann. Dies ist eben eine andere Form des Gedenkens.