KOMMENTAR: Das ist ein falsches Signal

Die Corona-Pandemie hat eine Entwicklung weiter befeuert, die es seit vielen Jahren zu beobachten gibt: Briefwahl wird immer attraktiver. Man ist am Wahlsonntag nicht gebunden und kann sich (bei der Kommunalwahl mit langen Listen noch wichtiger als bei Landtag und Bundestag) in Ruhe mit dem Wahlzettel beschäftigen.

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Stefan Conradt
Stefan Conradt
Foto: RZ
Die Akzeptanz für diese Art der Stimmabgabe wächst mit der Bevölkerungsentwicklung: Die, denen das zu kompliziert erscheint, werden weniger – eine Entwicklung, die sich nicht mehr zurückdrehen lässt.

Jetzt aber aus der Not heraus (dem drohenden Verlust der Anonymisierung in kleinen Dörfern), genau dieser Bevölkerungsgruppe, der die Briefwahl zu kompliziert ist und zu der auch die Alten und Nichtmobilen gehören, weitere Steine in den Weg zu legen, ist das falsche Signal. Warum nicht einfach die Urne (gern auch mit den Briefwahlstimmen aus dem jeweiligen Dorf) zur Auszählung an zentrale Orte wie die VG-Verwaltung bringen? Viel wichtiger als Zeitverluste sind doch die Stimmabgabe an sich und die Akzeptanz des Wahlvorgangs. Wenn durch diese Vorgabe (noch) weniger Menschen zur Wahl gehen, gefährdet das die Demokratie.

Hinzu kommt der Grundsatz der gleichen Lebensbedingungen im Land: Warum müssen Wähler in dünn besiedelten Regionen weite Wege im Auto zurücklegen, um wählen zu können, während man in den Ballungsgebieten weiterhin ins Wahllokal spazieren kann? Das ist einfach nicht fair.

Archivierter Artikel vom 27.05.2021, 15:46 Uhr