Archivierter Artikel vom 16.09.2018, 20:51 Uhr
Koblenz

Koblenz muss Marke werden: Wie geht das?

Die Feste Ehrenbreitstein ist schon vor Jahren aufgeblüht, Fort Konstantin kann für private oder kulturelle Veranstaltungen gebucht werden – und das stark sanierungsbedürftige Fort Asterstein ist sogar Thema bei der Europäischen Union geworden. Reicht das, um „die einzige Stadt an Rhein und Mosel“ international bekannter zu machen, als sie bislang ist? Die Antworten bei der jüngsten Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Grüne Stadt am Wasser“ fielen eher ernüchternd aus.

Von Reinhard Kallenbach

Neben der Feste Ehrenbreitstein ist Fort Konstantin ein Symbol für die Vermarktung der Festungsstadt. Doch Tourismus ist nicht alles.
Neben der Feste Ehrenbreitstein ist Fort Konstantin ein Symbol für die Vermarktung der Festungsstadt. Doch Tourismus ist nicht alles.
Foto: Reinhard Kallenbach

Bekanntlich sollen möglichst viele erhaltene Teile der ehemaligen preußischen Festung Koblenz und Ehrenbreitstein zur Bundesgartenschau 2031 (oder 2029) neu inszeniert werden. Das ist gut für den Auftritt für die Region, doch das dürfte wohl kaum reichen, um das Oberzentrum für Fachkräfte und Investoren interessanter zu machen. Der Nutzen für den Tourismus ist allerdings unbestritten, doch reicht der nicht aus, um den Einnahmenbedarf der Stadt zu decken.

Nur 6 bis 8 Prozent der Gewerbesteuereinnahmen stammen aus diesem Sektor, gab Thomas Hamann zu erkennen. Der Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung hatte gemeinsam mit den Buga-Freunden in die Probebühne 4 des Stadttheaters eingeladen. Die Botschaft: Koblenz braucht eine knackige, kurze Werbebotschaft, die möglichst viele Aspekte der Vielseitigkeit der Stadt widerspiegelt. Ansprechende grafische Lösungen gibt es zuhauf, und auch der neue offizielle Auftritt ist ansprechend. Die Botschaft „Koblenz verbindet“ erscheint dagegen blass und bedeutungslos. Das meinten zumindest die meisten Zuhörer, von denen einige spontan neue Vorschläge machten – die allerdings ebenso wenig zünden wollten. Schnell merkte jeder, wie schwer die Markenentwicklung selbst für erfahrende Werbeprofis ist.

Wie unbeholfen auch andere Städte wirken, machte Prof. Dr. Holger J. Schmidt, der am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Hochschule Koblenz lehrt, am Beispiel Bonn deutlich. Ergebnis: ein von Fachleuten sogar prämiertes Imagefilmchen, das wenig über die Bundesstadt aussagt und lieber Multikulti- und Gender-Klischees bemüht – und den Begriff „Freude“ in mehreren Sprachen nichtssagend in den Mittelpunkt rückt. Das macht die Stadt, zumindest in der Werbung, trotz ihres großen, immer wieder bemühten Sohns Ludwig van Beethoven beliebig und austauschbar. Für Koblenz ist dieser Weg also gleich in doppelter Hinsicht nicht empfehlenswert, zumal die Namen großer Koblenzer verblasst sind. Wer setzt sich heute noch mit Joseph Görres auseinander, dem großen streitbaren Publizisten, der manchen europäischen Monarchen zum Toben brachte? Koblenz braucht eine andere Botschaft, die verbindet und trotzdem nicht langweilt.

Und die Formel „Die Legende“ ist einerseits unpassend, andererseits schon an Kitzbühel vergeben. Den Österreichern ist es gelungen, die berüchtigte „Streif“ hemmungslos zu vermarkten, sodass „Die Legende“ heute für alle Bereiche der Kleinstadt gilt. Holger Schmidt zeigte mit diesem Beispiel, dass Werbung mutig und auch polarisierend sein kann. Für Koblenz heißt das: Die Stadt muss selbstbewusster auftreten – und die Bürger können dabei helfen. Ihre Stadt hat mit der Buga 2011 einen gewaltigen Sprung nach vorn gemacht. Für die Einwohner ist es deshalb leicht, selbst als Markenbotschafter aktiv zu werden – und zwar überall, wo sie hinkommen. Das entbindet die Profis jedoch nicht von der Pflicht, sich weiterhin Gedanken über die „Marke Koblenz“ zu machen.

Von unserem Mitarbeiter Reinhard Kallenbach