Kirsten Schiemann kann Zweifel an Heilungen nachvollziehen

Der Heiler Joao de Deus (auch John of God genannt) ist zweifelsfrei ein Massenphänomen. Unumstritten ist er deshalb nicht. Er wurde am 24. Juni 1942 als João Teixeira da Faria in einfache Verhältnisse hineingeboren. Er selbst bezeichnet sich als Analphabet, eine medizinische Ausbildung hat er nie absolviert.

Lesezeit: 2 Minuten

Als Geistheiler (seine Fähigkeit will er selbst mit 16 Jahren erlangt haben) lockt er jedoch seit Jahrzehnten täglich bis zu 1000 Menschen aus aller Welt in sein Zentrum Casa de Dom Inácio de Loyola in Abadiania, die sich von seinen Kräften körperliche beziehungsweise seelische Heilung versprechen. Besucher berichten von Wundern, die João de Deus vollbracht haben soll. Todgeweihte Krebs- oder Aidspatienten beispielsweise soll er geheilt haben – durch sichtbare oder auch unsichtbare Operationen. Dabei betont John of God, dass er diese Wunder durch die Geister berühmter Persönlichkeiten und mit Gottes Hilfe vollbringe.

Kritiker wie die Betreiber der Plattform www.psiram.com, auf die unter anderem das Bundesverwaltungsamt auf Anfrage der WZ verweist, werfen João de Deus Scharlatanerie und Betrug vor und weisen darauf hin, dass der Heiler bereits mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sei. Ihre Argumente ziehen die Kritiker insbesondere aus dem riesigen Geschäftsmodell, das hinter dem Zentrum Casa de Dom Inácio steckt. So werden allein aus Deutschland mehrmals im Jahr Pauschalreisen dorthin angeboten. Der Heiler selbst soll im Besitz einiger Beherbergungsbetriebe sein. Weitere Einnahmequellen sind der Verkauf von Kräutermischungen und sogenannter Kristallbetten oder auch Eintrittskarten zu Auslandstourneen von João de Deus. Auf massive Kritik stoßen zudem die „Operationen“ des Heilers – Eingriffe ohne Narkose und ohne Desinfektion mit Küchenmessern, Scheren und einfachem Zwirn –, die er vor Publikum in Körperöffnungen und inneren Organen durchführt.

Kirsten Schiemann, Anhängerin João des Deus' aus Mündersbach, weiß um die Skepsis vieler Menschen. „Ich bin selbst das beste Beispiel dafür. Als Mensch, der immer mit dem Kopf und vernunftorientiert arbeiten musste, fiel es mir besonders schwer zu glauben. Sogar als mein Vater in kürzester Zeit einen Tumor am Auge verlor, konnte ich immer noch nicht hundertprozentig glauben. Es hat über ein Jahr gedauert, bis ich komplett vertrauen konnte. Deshalb kann ich das Misstrauen besonders gut nachvollziehen“, sagt sie.

Viele Wissenschaftler und Ärzte seien nach Abadiania gekommen, um João de Deus als Scharlatan zu entlarven – und seien als Freunde von dem Ort mit unerklärlich hoher Heilquote abgereist. Wie die Wunder passierten, könne sie auch nicht erklären. Aber sie habe keinen Zweifel, dass sie passierten. „Jeder Mensch lebt in einer anderen Welt, und wir sollten die Toleranz besitzen, das zu respektieren. Wir tun dies in Abadiania.“

Die meisten Menschen, die kritisch über João de Deus schreiben, seien nie vor Ort gewesen. Es gebe einfach Bereiche, „die wir mit unseren begrenzten Möglichkeiten noch schwer nachvollziehen können“. In Dom Ignácio habe man dafür einen guten Satz: „Für Menschen, die glauben, braucht es keine Worte. Für Menschen, die nicht glauben, reichen alle Worte nicht aus“, so Kirsten Schiemann.

Nadja Hoffmann-Heidrich

Archivierter Artikel vom 13.09.2017, 12:00 Uhr