Archivierter Artikel vom 15.05.2020, 10:02 Uhr

Feste Franz: Kern für ein neues, grünes Lützel

Das „ist ein Schatz, den die Stadt da hat“, sind Andreas Drechsler und Oliver Stracke überzeugt. Der Werkleiter des Koblenzer Eigenbetriebs Grünflächen und Bestattungswesens und der Bereichsleiter für Planung stehen mit dieser Einschätzung nicht allein. Erhaltung und Nutzung der Reste der einstigen preußischen Festung Koblenz und Ehrenbreitstein wird von Verwaltung, Politik und Bürgern gleichermaßen unterstützt. Das war nicht immer so.

Blick vom Asterstein auf die Feste Franz: Im Rahmen der Festungspark-Projekte wurden weite Teile der historischen Sichtbezüge zwischen den preußischen Befestigungsanlagen wiederhergestellt.
Blick vom Asterstein auf die Feste Franz: Im Rahmen der Festungspark-Projekte wurden weite Teile der historischen Sichtbezüge zwischen den preußischen Befestigungsanlagen wiederhergestellt.
Foto: Reinhard Kallenbach

Während das Land kräftig in die Erhaltung der Feste Ehrenbreitstein investiert hat – und weiter investieren wird –, fristeten die Teile der Festung, die sich im Eigentum der Stadt Koblenz befinden, ein Schattendasein. Und hätten nicht Bürger seit den 90er-Jahren einen Bewusstseinswandel eingeleitet, wären die wertvollen Kulturdenkmäler wohl für immer verloren gewesen. Was erreicht werden kann, wenn man gemeinsam an einem Strang zieht, zeigt sich bereits seit Jahren am Beispiel von Fort Konstantin auf der Karthause. Und im Herbst 2019 kam ein weiterer Erfolg dazu. Der Park, der nun das Fort Asterstein umgibt, wurde im Rahmen des Bundesprojektes „Nationale Projekte des Städtebaus“ termingerecht fertiggestellt.

Anders die Bauarbeiten im neuen Park, der die Feste Franz inszenieren und zudem einen grandiosen Blick vom Petersberg auf die Stadt eröffnen soll. In diesem Bereich werden sich die Arbeiten noch bis Ende des Jahres hinziehen, was so nicht geplant war. Denn: Während der Sanierung wurden weitere Räume gefunden. Ob jetzt Bundeszuschüsse verloren gehen, weil der Zeitplan nicht eingehalten wurde? Andreas Drechsler verneint und verweist auf den engen Abstimmungsprozess mit dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Denn der Grund für die Verzögerung ist plausibel.

Trotz der aus heutiger Sicht geradezu als barbarisch zu bewertenden Sprengung von weiten Teilen der Anlage Anfang 1959 ist doch mehr erhalten geblieben als gedacht. „Wir müssen zu den Wurzeln zurück“, sagt Drechsler. Es hätte wenig Sinn gehabt, das Wegenetz zu realisieren, ohne den Untergrund genau erforscht zu haben. Konkret geht es unter anderem um einen bislang unbekannten Gang, der bei den Arbeiten entdeckt wurde. Er verbindet die beiden erhalten gebliebenen Abschlüsse des einstigen Reduits. Das war der runde Verteidigungsbau im Zentrum der Feste Kaiser Franz, der auf historischen Plänen noch gut zu erkennen ist.

Blick auf die Festungspark-Baustelle. Das Areal wird einmal das Herz eines neuen Naherholungsgebietes sein. Die Planungen des Eigenbetriebs Grünflächen und Bestattungswesen für Lützel reichen jedoch noch viel weiter.
Blick auf die Festungspark-Baustelle. Das Areal wird einmal das Herz eines neuen Naherholungsgebietes sein. Die Planungen des Eigenbetriebs Grünflächen und Bestattungswesen für Lützel reichen jedoch noch viel weiter.
Foto: Reinhard Kallenbach

Während die Verbindungsmauer bereits gesichert ist, liegen Teile des Ganges und ein Magazinraum derzeit offen. Sicherung und Sanierung sind bereits Anfang des Jahres angelaufen, und auch finanziell wurde nachgebessert: Der Stadtrat hat überplanmäßigen Kosten in Höhe von 200 000 Euro zugestimmt. Angedacht ist sogar, den rekonstruierten Gang eines Tages vielleicht im Rahmen von Führungen zu öffnen. Das ist aber noch ein Traum, aktuell gibt es andere Probleme zu lösen.

So hat ein spezialisierter Kletterer erst Anfang des Monats sogenannte Sensoren im Bereich des Kehlturms angebracht. Damit sollen Verschiebungen in Mauerwerk und Gewölben gemessen werden. Die Problematik ist übrigens ganz ähnlich wie beim Fort Asterstein: Die Frage nach einer künftigen Nutzung ist noch völlig offen, weil für die Sanierung der Substanz noch weitere erhebliche Mittel erforderlich sind. Die Stadt wird sich in den kommenden Monaten und Jahren deshalb bemühen, weitere Fördertöpfe „anzuzapfen“. Denn die zur Verfügung stehenden Bundesmittel dienen ausschließlich der Realisierung des Festungsparks. Diese Neuinszenierung von Teilen der preußischen Festung Koblenz und Ehrenbreitstein ist auch der wichtigste Beitrag der Stadt Koblenz zur Bundesgartenschau 2029 im Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal.

Und wie sieht es mit den Finanzen aus? Abgesehen von der Sonderausgabe für den Gang wurde das Budget eingehalten. Der Bundeszuschuss hat eine Höhe von insgesamt 2,4 Millionen Euro – dazu kommt ein Eigenanteil der Stadt in Höhe von rund 265 000 Euro. Von dieser Gesamtsumme sind allein 1,5 Millionen Euro in den Astersteiner Festungspark geflossen. Das zeigt: Üppig sind die Mittel für den Lützeler Festungspark nicht, sodass man beispielsweise auf die Verlegung des Sportplatzes im Umfeld der Feste verzichten musste.

Aber immerhin: Für die Koblenzer öffnet sich im nächsten Jahr ein neuer Erlebnisraum, der perspektivisch in Richtung Volkspark erweitert werden soll. Auf jeden Fall wird im Buga-Jahr 2029 einiges zu sehen sein. Die Langzeitplanungen für den Stadtteil reichen übrigens noch weit über die für die ganze Region so wichtige Schau hinaus. Hierfür werden weitere Zuschüsse fließen.