Archivierter Artikel vom 28.11.2018, 18:40 Uhr
Rheinland-Pfalz

Experte sieht Problem auf Rheinland-Pfalz zukommen: Wenn Touristen die Natur bedrohen

Droht dem Land eine Touristenflut mit negativen Auswirkungen auf Städte und Umwelt? Die Frage – die ob des jüngsten Streits um schwache Zuwachszahlen im Tourismus befremdlich wirkt – war Thema der jüngsten Sitzung der Tourismus-Enquetekommission des Landtags. Doch so seltsam, wie das Stichwort Overtourism klingt, ist es nicht. Zum einen sehen Experten genau das auf Rheinland-Pfalz zukommen, zum anderen sind die absoluten Zahlen der Touristen jetzt schon beachtlich. Und zahlreiche Städte weltweit zeigen, was passiert, wenn man sich nicht rechtzeitig Gedanken darüber macht, wie Tourismus verträglich und nachhaltig gestaltet wird.

Von Michael Defrancesco

Unberührte Natur, wie hier im Nationalpark Hunsrück-Hochwald, ist ein Pluspunkt für viele Touristen. Doch wenn es zu viel wird mit den Gästen, gerät genau diese Natur in Gefahr.  Foto: dpa
Unberührte Natur, wie hier im Nationalpark Hunsrück-Hochwald, ist ein Pluspunkt für viele Touristen. Doch wenn es zu viel wird mit den Gästen, gerät genau diese Natur in Gefahr.
Foto: dpa
„Tourismus, der nicht auf Nachhaltigkeit setzt, beraubt sich irgendwann selbst seiner Ressourcen“, stellte denn auch die für den Tourismus zuständige Staatssekretärin Daniela Schmitt (FDP) klar. Prof. Harald Zeiss von der Hochschule Harz, der mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeitsmanagement im Tourismus lehrt, hieb in dieselbe Kerbe: „Rheinland-Pfalz wird ein Overtourism-Problem bekommen.“

„Flugscham“ hilft Rheinland-Pfalz

Wie er darauf kommt? Zum einen setzt sich immer mehr das ökologische Bewusstsein durch, Flugreisen zu vermeiden. Zum anderen sei durch den Klimawandel verstärkt mit herrlich warmen Sommern im Land zu rechnen. „Dies wird dazu führen, dass das Reiseland Deutschland immer beliebter werden wird“, sagte Zeiss.

Wenn Rheinland-Pfalz nun gezielt neue Tourismusstrategien aufbaut, dann soll es unbedingt überlegen, wie viele Touristen man gleichzeitig am selben Ort haben will, sagte Petra Thomas, Geschäftsführerin von „Forum anders reisen“. Denn Touristen verbrauchen Ressourcen – und das kann zu Ärger führen, wie man derzeit auf Mallorca, in Venedig oder in Barcelona beobachten kann. „Infrastruktur ist wichtig. Aber wo wird dadurch die Natur zerstört?“ Und wenn sie zerstört wird, fällt damit das Urlaubsmotiv weg, warnt Thomas. „Der Gast erwartet, dass die ökologischen Probleme vom Anbieter gelöst werden“, sagte Thomas. Der Mountainbiker, der im Urlaub durch den Wald saust, will sich keine Gedanken machen, ob sein Tun ökologisch sinnvoll ist oder nicht.

Gerade wenn Rheinland-Pfalz mit seiner Natur punkten will, müsse man dies genau planen und den Tourismus nachhaltig aufbauen, riet Heike Glatzel von der Futour Umwelt-, Tourismus- und Regionalberatung GmbH. „Die Erstaufgabe eines Naturparks ist der Erhalt der Natur – und nicht der Tourismus“, sagte sie. Man müsse genau überlegen, wo Mountainbiker fahren, wo Menschen wandern und wie viele Menschen gleichzeitig in einen Bereich hinein dürfen.

Ideal für Naturerlebenisse

„Der Tourismus in Rheinland-Pfalz hat große Entwicklungspotenziale im Marktsegment Naturerlebnis und Nachhaltigkeit“, betonte Ellen Demuth (CDU), Vorsitzende der Enquetekommission. „Der Markt an gesundheitsbewussten Gästen, die auch im Alltag sehr gesund leben und Wert auf nachhaltige und faire Produkte legen, wächst.“ Rheinland-Pfalz biete mit Premiumwanderwegen, Nationalpark, Landwirtschaft und Weinbau sowie hochwertigen, lokalerzeugten Produkten die idealen Voraussetzungen. „Diese Zielgruppe möchte einen authentischen Urlaub verbringen, in Kontakt mit den Gastgebern, der lokalen Bevölkerung und auch der Natur kommen, zum Beispiel beim Bird Watching oder bei Touren mit dem Ranger.“ Darin ist das Land laut Demuth mit seinen kleinen Familienhotels und dezentralen Hotelstandorten und Wanderwegen stark. Ihr Fazit: „Investitionen in diesen Markt lohnen sich sehr und sollten zukünftig unbedingt beworben und unterstützt werden.“

Von unserem Reisechef Michael Defrancesco