Archivierter Artikel vom 25.08.2019, 20:54 Uhr

DJane Lari Luke zur Festivallandschaft: Alle wollen mehr Glitzer

Zwei Zöpfe, strahlendes Lächeln und ein Sound, der die Festivalbesucher begeistert – Larissa Rieß alias Lari Luke gehörte beim New Horizons zu den wenigen Frauen am DJ-Pult. Wir haben mit der 31-Jährigen über ihre Erfahrungen gesprochen.

Von Christina Nover

Lari Luke war eine der wenigen weiblichen DJs, die beim New Horizons Festival aufgelegt haben.
Lari Luke war eine der wenigen weiblichen DJs, die beim New Horizons Festival aufgelegt haben.
Foto: Benjamin Diedering (BDX MEDIA)

Die Anzahl der Frauen, die hier aufgelegt haben, kann man an einer Hand abzählen. Warum ist das so?

Es gibt einfach weniger Frauen als Männer, die auflegen. Daher ist es relativ schwer für Festivalveranstalter, gute Frauen zu finden, die auch Leute anlocken. Die Veranstalter müssen da wirtschaftlich denken. Ich wäre auch kein Fan einer Frauenquote. Auf die Bühne gehören meiner Meinung nach Leute, die gut auflegen, die es sich verdient haben. Und nicht weil sie ein bestimmtes Geschlecht haben.

Warum gibt es so wenige DJanes?

Schwer zu sagen. Ich glaube nicht, dass Frauen Angst davor haben. Ich könnte mir einfach vorstellen, dass es bisher noch nicht so viele Frauen interessiert hat.

Ihr Erkennungszeichen sind die zwei Zöpfe. Spielen Sie denn auf der Bühne mit Ihren Reizen?

Ich trage meist weite Sachen, aber manchmal auch enge Ganzkörperanzüge. Ich bezweifle aber, dass Leute zu meinen Gigs kommen, weil die mich so hübsch finden. Du bezahlst nicht viel Geld für ein Ticket, um dir eine Frau aus 20 Metern Entfernung anzuschauen.

Müssen Sie sich denn als Frau dumme Sprüche gefallen lassen?

Am Anfang habe ich viel abbekommen. Wenn ein Türsteher nicht geglaubt hat, dass ich der DJ bin, habe ich gedacht: Die sind ja ganz schön frauenfeindlich. Aber dann habe ich Freundschaften mit männlichen DJ-Kollegen geschlossen. Und die haben alle exakt die gleichen Erfahrungen gemacht. Stell da mal einen 19-jährigen Typen hin, der aussieht wie 15, was glaubst du, wie der behandelt wird? Die machen sich auch über ihn lustig.

Was muss man als DJ mitbringen?

DJ sein kann jeder. Du kannst dir einfach in den Charts anschauen, welche Songs gut ankommen und die spielst du dann nacheinander ab. Aber dann bist du halt einer von einer Milliarde. Wenn du ein guter DJ sein und herausstechen willst, dann musst du das Handwerk und die Technik beherrschen. Und über Grenzen hinausdenken können – überlegen, was du spielen kannst, das dich außergewöhnlich macht und das Publikum entertaint.

Was ist Ihnen beim Auftritt wichtig?

Ich stehe nicht nur da und spiele die Songs ab. Ich gucke die Leute an, gehe zu ihnen hin. Mir geht es nicht darum, den Clown zu machen oder den Party-Animateur, sondern ich möchte mit den Leuten feiern. Sie sollen das Gefühl bekommen, Teil der Show zu sein. Nicht Lari Luke spielt für die Leute, sondern wir feiern eine Party zusammen.

Welche Bedeutung haben Ihrer Meinung nach DJs heutzutage?

DJs werden immer wichtiger. Das sieht man allein schon daran, was mittlerweile alles an Special Effects aufgefahren wird. Auch die Festivals werden immer größer und pompöser. Selbst das Publikum hat sich verändert. Vor fünf Jahren sind wir alle noch nicht so rumgelaufen. Die Leute sind ganz normal in Jeans zu Festivals gegangen. Und jetzt ist das ein richtiger Kult geworden. Die Leute verkleiden sich, machen sich Glitzer ins Gesicht. Ich finde, das ist eine schöne Entwicklung im Gesamten. Alle wollen mehr Glitzer.

Wie hat sich die Szene musikalisch verändert?

Die Menschen sind offener für verschiedene Musikstile geworden. Auch die Festivals – da gibt es dann verschiedene Bühnen für verschiedene Stile.

Es gibt so viele Festivals, brauchen wir denn da das New Horizons überhaupt noch in Deutschland?

Definitiv. Der Mix ist einfach sehr schön. Zum einen holen sie sich ultracoole, renommierte Künstler – und zum anderen dann Leute wie mich, die aus Deutschland kommen. Was mir auch aufgefallen ist: Es ist kein riesiges Festival, wo du dich komplett verirrst. Alles ist nah beieinander. Die Leute sind gut drauf, es herrscht eine sehr positive Stimmung. Es ist eine große Party, ein bisschen Rummel – und die Leute haben sich lieb.

Das Gespräch führte Christina Nover