Archivierter Artikel vom 03.09.2018, 12:39 Uhr

Diskussion über dritte Option

Die Entscheidung der Bundesregierung, die Geschlechtsbezeichnung „divers“ als dritte Option neben männlich und weiblich einzuführen, trifft bei Transgender- und Intersexuellen-Verbänden und -Organisationen auf Kritik, die sich vor allem auf die notwendige medizinische Bescheinigung bezieht.

Julia Monro engagiert sich in der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität und in der Bundesvereinigung Trans und meint: „Die stigmatisierende Begutachtungspflicht im veralteten Transsexuellengesetz muss dringend abgeschafft und durch ein Selbstbestimmungsgesetz ersetzt werden.“ Andere EU-Länder, allen voran Malta, seien der Entscheidung des Europaparlaments längst gefolgt und somit in der Menschenrechtsfrage wesentlich weiter als Deutschland. In einer Stellungnahme der Bundesvereinigung Trans heißt es: „Wie aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts klar hervorgeht, bezieht sich die Eintragung des Personenstandsregisters auf die Geschlechtsidentität eines Menschen, und die ist nicht allein durch körperliche Merkmale zu bestimmen. Damit ignoriert der Gesetzentwurf die Kritik an Pathologisierungen und Gewalterfahrungen, die inter*Menschen im medizinischen System erfahren. Vor dem Hintergrund ist die medizinische Deutungsmacht indiskutabel“.