Archivierter Artikel vom 03.01.2022, 17:13 Uhr

Die eigene Widerstandskraft erhöhen

„Wir müssen verstehen, dass Katastrophen zum Leben gehören, und Strategien dafür entwickeln“, erläutert Dr. Brigitte Pollitt, Chefärztin im Neuwieder Johanniter-Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Ganz wichtig ist, betont sie, im Kontakt zu bleiben und zu reden und nicht versuchen, alles allein zu schaffen.

„Ich muss lernen, auf mich zu achten und darüber zu reden und einzufordern: ,Hör mir zu.‘“ Bei heftigsten Katastrophen verschlägt es einem oft die Sprache, Pollitt rät dann, zum Stift zu greifen: „Schreiben hilft klären.“ Kleine Kinder malen stattdessen. Es gibt viele Kinder, die sich bei Stress verschließen. „Aber wenn sie plötzlich ganz ruhig werden, dann muss ich hinschauen“, betont die Chefärztin.

Familien, die feste Strukturen geschaffen haben für den anstrengenden Coronaalltag, sind besser durch die Lockdowns gekommen als andere, ist ihre Erfahrung. Auch wenn die Schule ein möglichst fixes Zeitgerüst vorgegeben hat, hat das geholfen. Pollitt rät, auch in großen Stresszeiten immer achtsam zu bleiben und die Wahrnehmung von positiven Dingen im Alltag zu fördern.
„Die Dankbarkeit für das, was ich habe, ist eine Fertigkeit, die man trainieren kann“, sagt die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. „Das hilft, die Kraft auch in Krisenzeiten zu behalten.“ Sie betont, dass gerade Kinder und Jugendliche eigentlich gut darin sind, auf Veränderungen zu reagieren. „Nur wenn viel zusammenkommt, ist es zu viel.“

Kinder können oft schneller als Erwachsene ablegen, was war und wieder nach vorn schauen. „Das ist sehr positiv, und das sollte man erhalten.“ Pollitt rät, gerade kleine Kinder, die komplett ins Spiel versinken können, dort nicht herauszuholen, damit diese Fähigkeit erhalten bleibt und gestärkt wird. Und ansonsten sind die Klassiker „raus in die Natur“ sowie Sport treiben ideal, um die eigene Widerstandskraft zu stärken. ys