Archivierter Artikel vom 21.11.2021, 19:45 Uhr
Berlin

Das sind gerade die 62 mächtigsten Parlamentarier

Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, Sitzungssaal 3.101, die Vorsitzende eröffnet die Beratungen des Wirtschaftsausschusses über die EU-Vorgaben zum deutschen Umsatzsteuerrecht. Es beraten darüber auch der Finanz-, der Rechts-, der Landwirtschafts-, der Verkehrs-, der Umwelt-, der Europa- und der Haushaltsausschuss. Alltagsroutine im Bundestag. Es gibt nur ein Problem: Alle diese Ausschüsse gibt es noch nicht. Sie werden ersetzt vom Hauptausschuss, der in diesen Wochen alle Macht der Ausschüsse auf den Schultern seiner 62 Mitglieder ruhen lässt.

Von Gregor Mayntz

Sie sind deshalb derzeit Deutschlands wichtigste Parlamentarier. Doch wer sind sie? Es lohnt ein Blick auf diejenigen, die die Bundestagsparteien in dieses Megagremium geschickt haben. Es wird automatisch erlöschen, wenn die Ampelkoalition steht und der Bundestag seine Fachausschüsse zur besseren Kontrolle spiegelbildlich zu den einzelnen Ministerien bilden kann.

Auf der großen Bühne wurde die Einberufung des Hauptausschusses mit der Notwendigkeit begründet, beim eilbedürftigen neuen Infektionsschutzgesetz noch schnell die vorgeschriebenen Expertenanhörungen machen zu können. Doch schon die Fachgebiete der Mitglieder zeigen, dass es längst nicht nur um Gesundheitsexpertise geht: Die meisten sind Innenexperten (acht), erst auf dem zweiten Platz folgen die Gesundheits- und die Haushaltspolitiker (jeweils sieben), danach gibt es jeweils sechs Arbeits- und Finanzexperten.

Wie so oft sind auch im Hauptausschuss die Frauen in der Unterzahl. Ihr Anteil liegt bei 42 Prozent. Besser sieht es bei der SPD (53 Prozent), bei den Grünen (56 Prozent) und erst recht bei den Linken (75 Prozent) aus. Die FDP bringt es dagegen nur auf einen Frauenanteil von 37, die CDU auf 33, die CSU auf 25 und die AfD auf 0 Prozent.

Im Durchschnitt sind die Parlamentarier im Hauptausschuss 51 Jahre alt. Darüber liegt das Durchschnittsalter bei der CDU (51,7), bei der SPD (52,3) und bei der AfD (59,7), darunter bei der CSU (48,7) bei den Linken (48,3), bei den Grünen (48,2) und bei der FDP (48). In Sachen Herkunft geben Politiker aus NRW den Ton an: 13 der 62 sind im bevölkerungsreichsten Bundesland zu Hause. Auf Rang zwei liegt Bayern mit zwölf Mitgliedern, gefolgt von Baden-Württemberg mit acht sowie Hessen und Niedersachsen mit jeweils vier.

Auffallend ist die herausgehobene Rolle vieler Ausschussmitglieder. Gleich zwei Fraktionsvorsitzende (Ralph Brinkhaus von der Union und Christian Lindner von der FDP), zwölf parlamentarische Geschäftsführer und 20 Vizefraktionschefs sind im Hauptausschuss vertreten.