Das sagt die Wissenschaft

Im Herkunftsland Japan ist es bereits Teil der medizinischen Versorgung und wird an Universitäten gelehrt – Shinrin-Yoku: „Eintauchen in die Atmosphäre des Waldes“ oder eben „Waldbaden“. Wer bei diesem Gesundheitstrend allerdings esoterischen Hokuspokus erwartet, wird enttäuscht. „Wissenschaftliche Studien haben erwiesen, dass sich Waldbaden positiv auf unseren Körper auswirkt“, sagt Gisela Immich, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Public Health und Versorgungsforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München.

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Gemeinsam mit Prof. Angela Schuh erforscht sie am Fachbereich Medizinische Klimatologie die Waldtherapie in Deutschland. Darunter auch das Waldbaden.

„Studien belegen, dass unser Körper beim Waldbaden von einem gestressten Modus in einen entschleunigenden Modus wechselt. Wir erholen uns“, sagt Immich. Das habe unter anderem zur Folge, dass sich die Psyche verbessert und dadurch das Immunsystem gestärkt wird. Immich erklärt: Vogelgezwitscher, das Lichtspiel im Blätterdach und unterschiedliche Waldgerüche haben eine beruhigende Wirkung auf unseren Körper. Sprich: Unser Puls senke sich, die Atmung werde tiefer, es komme zur Entspannung. Im Zusammenhang mit verschiedenen Achtsamkeitsübungen wie Bäume erfühlen oder Atemübungen werde die gesundheitsförderliche Wirkung des Waldbadens noch verstärkt.

Aber warum tut uns gerade der Wald so gut? Durch die Urbanisierung und Digitalisierung würden unser Körper und Geist naturentfremdet. „Dinge, wie der Wald riecht oder klingt, nehmen wir nicht mehr bewusst wahr, das ist aber wichtig als Ausgleich für unsere Psyche und Wohlbefinden.“ Waldbaden sei daher der Gegenpol zur Digitalisierung. „Die Menschen sehen sich immer mehr Stress ausgesetzt. Ein mehrstündig angeleitetes Bad zwischen den Bäumen ist für viele eine willkommene, neuartige Abwechslung“, erklärt Gisela Immich die stetig wachsende Beliebtheit. fab

Archivierter Artikel vom 06.09.2020, 15:10 Uhr