Berlin

Christian Kunst zur Bedeutung von Daten bei Corona: Bund und Länder müssen Irrweg schnell beenden

Daten können Leben retten, Daten können auch über das Schicksal von Menschen bestimmen, Daten können daher auch über Leben und Tod entscheiden. Was bis März 2020 wohl nur in den Elfenbeintürmen einiger weniger Wissenschaftler Beachtung gefunden haben dürfte, ist heute der Diskussionsstoff in Parlamenten und Talkshows. Ob R-Wert, Inzidenzzahlen oder aktuell die Hospitalisierungsrate – Daten sind die Grundlage für politische Entscheidungen in der Corona-Pandemie geworden, über Wohl und Wehe von Menschen.

Von Christian Kunst
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RZ-Redakteur Christian Kunst
RZ-Redakteur Christian Kunst
Foto: Jens Weber

Vor diesem Hintergrund ist es geradezu fahrlässig, dass sich Deutschland beim Umgang mit Daten teilweise noch immer im Zeitalter von Fax und Papier befindet. Verbunden mit dem föderalen Flickenteppich führt dies dazu, dass es beim zentralen Kriterium der neuen Corona-Strategie, der Hospitalisierungsrate, zu einem enormen Meldeverzug kommt. Das ist einem der größten Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorte der Welt, wo einer der wichtigsten Impfstoffe entwickelt wurde, unwürdig. Von Deutschland darf man deutlich mehr erwarten.

Noch unverzeihlicher ist es, dass Bund und Länder ihre Strategie in der bislang dramatischsten Pandemiewelle ohne Not plötzlich auf ein Kriterium umstellen, das völlig zahnlos ist. Das Divi-Intensivregister wird indes tagesaktuell mit Daten bestückt, die die dramatische Lage besser beschreiben. Auch die Inzidenzen sind trotz der Impfungen weiter ein hilfreiches Warninstrument, an das sich viele im Übrigen gewöhnt haben. Bund und Länder müssen ihren Irrweg so schnell wie möglich beenden – ehe aufgrund dieser Datenbasis weiteres (politisches) Unglück geschieht.

E-Mail: christian.kunst@rhein-zeitung.net

Archivierter Artikel vom 24.11.2021, 20:25 Uhr