Archivierter Artikel vom 10.01.2018, 09:42 Uhr

Besuch in den Nachbarschaftshäusern

Die Thomas-Engel-Stiftung geht auf Ernst Engel, den einstigen Eigentümer der Kapp-Chemie in Miehlen, und seine Frau zurück. Sie gründeten die Stiftung 2009 im Gedenken an ihren Sohn Thomas, der im Jahr davor an Krebs gestorben war. Gemeinsam mit der Hilfsorganisation Young Heroes kümmert sich die Stiftung in Swasiland um ungefähr 3000 Aidswaisen. Denn in dem Königreich im Süden Afrikas leben nach Zahlen von UNAIDS aus dem Jahr 2015 etwa 240.000 von 1,2 Millionen Menschen mit HIV, wie die Stiftung in einem ihrer Flyer erklärt. 80.000 Kinder bis zum Alter von 15 Jahren haben ein oder beide Elternteile verloren – meist sind sie an Aids gestorben. Solche Kinder betreut die Thomas-Engel-Stiftung mit ihrem Partner vor Ort in 100 sogenannten Neighbourhood-Carepoints (NCPs) – übersetzt Nachbarschaftshäusern. „Wir sind im südlichsten und gleichzeitig ärmsten Distrikt im Land tätig, in Shiselweni“, erklärt Jan Menzel, der Vorsitzende des Fördervereins der Stiftung.Die Kinder bekommen eine warme Mahlzeit, Vorschulunterricht und eine medizinische Grundversorgung. Erst im November war Menzel selbst mit einer kleinen Gruppe um Stiftungsgründer Ernst Engel in Afrika. Dort hat er einige der Nachbarschaftshäuser besucht. Sein Eindruck: „Diese NCPs sind ganz unterschiedlich vom Entwicklungsstand.“ Das betreffe sowohl die Ausstattung als auch die Arbeit, die dort geleistet werde. Denn nicht alle Einheimischen, die sich ehrenamtlich um die Kinder kümmern – Caregivers genannt –, seien auf demselben Wissensstand, wenn es etwa darum gehe, Vorschulwissen zu vermitteln. Für Menzel ist das eine wichtige Aufgabe für die Zukunft: die Nachbarschaftshäuser auf den gleichen Stand zu bringen.

Besuch in einem der Nachbarschaftshäuser der Thomas-Engel-Stiftung: Die Kinder bekommen dort auch etwas zu essen.
Besuch in einem der Nachbarschaftshäuser der Thomas-Engel-Stiftung: Die Kinder bekommen dort auch etwas zu essen.
Foto: Jan Menzel

„Diese Caregivers werden auch geschult“, sagt Menzel. Doch das solle künftig noch intensiviert werden. Denn vor Kurzem hat die Thomas-Engel-Stiftung ein neues Büro für seine Mitarbeiter vor Ort eingerichtet, von dem aus die NCPs gut angefahren werden können beziehungsweise umgekehrt. „Da gibt es einen Konferenzraum, wo wir die Caregivers auch besser schulen können“, sagt Menzel. Für die Kinder in den NCPs sei der Kontakt mit ihm, einem Menschen mit anderer Hautfarbe, zunächst ungewohnt gewesen. Doch nach ein paar Selfies mit dem Smartphone, bei denen alle ihren Spaß hatten, so Menzel, war das Eis gebrochen.

„Es ist unheimlich faszinierend, wie fröhlich die Kinder einem trotz ihrer Armut und trotz der Verhältnisse gegenübergetreten sind.“ Doch vor den HIV-Tests, die in den Nachbarschaftshäusern angeboten werden, bestehe in der Bevölkerung noch immer eine gewisse Scham. „Das ist schade, denn wenn man ein Kind in dem Alter testet und es ist HIV-positiv, dann kann man es mit Medikamenten behandeln, sodass die Aidskrankheit so gut wie nie ausbrechen wird“, betont Menzel. Während sich die Arbeit in den NCPs vor allem auf jüngere Kinder konzentriert, unterstützt die Stiftung inzwischen auch 25 Jugendliche in Swasiland bei der Berufsausbildung. Zudem fördert sie auch zwei Projekte in Ecuador und eines in Tansania.

Mehr Informationen gibt es unter www.thomasengel-stiftung.org oder per E-Mail an kontakt@freunde-tes.de bei Jan Menzel. csa