Archivierter Artikel vom 18.01.2021, 08:37 Uhr
Rheinland-Pfalz

Tourismus hofft: Nach harter Zeit soll es wieder aufwärts gehen

Viele Menschen befassen sich schon im Januar mit der Urlaubsplanung. Auch in Rheinland-Pfalz hofft die Branche auf möglichst viele Gäste. Doch die Unsicherheit wegen der weiteren Corona-Entwicklung ist groß.

dpa/lrsLesezeit: 3 Minuten
Beliebte Ausflugsorte in Rheinland-Pfalz sind in der Corona-Krise geschlossen.
Beliebte Ausflugsorte in Rheinland-Pfalz sind in der Corona-Krise geschlossen.
Foto: dpa

Der Tourismus gehört zu den Branchen, die unter den Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie am meisten zu leiden haben. Hotels, Pensionen, Gasthäuser, Ausflugslokale und Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz blicken auf ein schwarzes Jahr 2020 zurück. Alle hoffen, dass es in diesem Jahr besser läuft und sich die Lage zu normalisieren beginnt. Schon jetzt beginnen zwischen Mosel und Pfälzerwald die ersten Vorbereitungen für das Frühjahrs- und Sommergeschäft. Doch die Unsicherheit wegen Corona ist groß. Dabei gibt es durchaus auch Gründe zur Hoffnung.

„Wir erwarten, dass auch in diesem Jahr Urlaub in Deutschland wieder gefragt ist und Urlaub in Rheinland-Pfalz gefragt bleibt“, erklärt der Geschäftsführer der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH, Stefan Zindler, der Deutschen Presse-Agentur. „Jeder hat mitbekommen, dass die medizinische Versorgung hierzulande gut aufgestellt ist. Das gibt Sicherheit in einer unsicheren Situation. Ich gehe daher davon aus, dass der eine oder andere dann nicht gleich wieder die nächste Fernreise anstrebt.“ Die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH (RPT) ist die touristische Management- und Marketingorganisation für das Land.

Nach Erfahrung des Tourismusexperten befassen sich viele Menschen schon Anfang des Jahres mit ihren Urlaubsplanungen, auch wenn das nicht immer gleich zu Buchungen führt. Spannend wird es für die Tourismusbetriebe in den kommenden Wochen, die einen ersten Fingerzeig auf den weiteren Saisonverlauf geben dürften.

„Ostern ist für den Tourismus in Rheinland-Pfalz immer so eine Art Saisonauftakt“, berichtet Zindler. „Ich wünsche mir, dass sich die Lage bis März so weit entspannt hat, dass Lockerungen beschlossen werden können. Dann würde die Nachfrage auch kurzfristig anziehen sowohl für das Ostergeschäft als auch für Frühjahr und Sommer.“ Die Marketingorganisation hatte in der vergangenen Woche eine neue Kampagne unter dem Titel „Schatzkammer Rheinland-Pfalz – Wege zu den Ursprüngen“ für dieses Jahr angekündigt.

Wegen der unklaren Lage, wie es mit der Corona-Pandemie weitergeht, gibt es bei den Urlaubsinteressenten noch Zurückhaltung. „Das ist nachvollziehbar“, findet Zindler. „Wir sind darauf eingestellt, dass Urlaubsentscheidungen wegen der Pandemie-Situation stärker als sonst kurzfristig getroffen weren.“ Der Start der Impfungen in den vergangenen Tagen sei sicherlich ein Lichtblick. „Wir hoffen alle auf eine Entspannung des Infektionsgeschehens und dass damit dann auch Lockerungen einhergehen. Nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres setzen wir außerdem darauf, dass im Sommer, wenn wieder mehr draußen stattfindet, die Infektionszahlen soweit zurückgehen, dass es zwar sicherlich nicht ganz ohne Einschränkungen gehen wird, die Menschen aber ihren Urlaub möglichst normal genießen können.“

Wie sehr die Branche einen Aufschwung brauchen könnte, zeigt der Blick auf die nackten Zahlen. Laut Statistischem Landesamt besuchten im Zeitraum vom Januar bis November 2020 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) 5,98 Millionen Gäste das Bundesland (minus 37 Prozent). Außerdem wurden 17,13 Millionen Übernachtungen registriert (minus 30 Prozent). Wegen der Anfang November eingeführten und weiter andauernden Reisebeschränkungen infolge der Corona-Pandemie sind Übernachtungen im Inland nur noch für notwendige und ausdrücklich nicht touristische Zwecke erlaubt. Auch Dauercamping ist verboten.

Viele Menschen in dem Bundesland, die mit Urlaubern ihren Lebensunterhalt verdienen, plagt derweil die Existenzangst. Laut der jüngsten Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) bangen drei Viertel der Gastronomen und Hoteliers in Rheinland-Pfalz wegen der angeordneten Betriebsschließungen um ihr wirtschaftliches Überleben. Jeder vierte Betrieb (24,9 Prozent) denkt konkret über eine Geschäftsaufgabe nach. Verschlimmert wird die Lage der Branche durch die zögerliche Auszahlung von zugesagten Hilfsleistungen des Bundes an die Unternehmen.

„Unsere Betriebe befinden sich seit dem 2. November im Lockdown und eine Öffnungsperspektive fehlt„, kritisiert der rheinland-pfälzische Dehoga-Präsident Gereon Haumann. „Die Ungewissheit über ein Öffnungsdatum ist für viele unserer Gastgeber neben den existenziellen Sorgen eine zusätzliche zermürbende Belastung, wie wir aus vielen – auch persönlichen – Gesprächen wissen.“

Zindler schätzt die Lage ähnlich ein. „Es wäre wichtig, wenn wir wieder aus dem Auf-Sicht-Fahren herauskommen und in normales Fahrwasser geraten“, sagt er. „Die Betriebe müssen sehen, dass sie sich durch eine harte Zeit gekämpft haben, dass es aber wieder aufwärts geht.“