Ahrkreis

Handwerk im Ahrtal gibt nicht auf: Nach Wiederaufbau geht's weiter

Nach der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal Mitte Juli ist und bleibt gerade das Handwerk auf Deutschlands größter Wiederaufbaustelle gefragt. „Die Hilfsangebote kommen aus allen Teilen der Bundesrepublik und lassen nicht nach“, berichtet die Handwerkskammer (HwK) Koblenz. Doch auch regionale, oft vom Hochwasser selbst betroffene Handwerksbetriebe sind nach enormen Anstrengungen beim eigenen Wiederaufbau Teil des großen Ahrtal-Projektes.

In der Flutnacht wurde auch die Bäckerei von Wido Ockenfels in Mayschoß weitgehend zerstört. In einem Teilbereich kann er nach Reinigung und Neuaufbau nun wieder backen.
In der Flutnacht wurde auch die Bäckerei von Wido Ockenfels in Mayschoß weitgehend zerstört. In einem Teilbereich kann er nach Reinigung und Neuaufbau nun wieder backen.
Foto: Klaus Herzmann

Über die Internetplattform www.handwerk-baut-auf.de werden die handwerklichen Leistungen mittlerweile übersichtlich und nach den verschiedenen Gewerken geordnet dargestellt. „Wir entwickeln diese Plattform kontinuierlich weiter, um die ständig wechselnden Anforderungen zu kommunizieren und auch die Planung zu optimieren“, beschreibt HwK-Hauptgeschäftsführer Ralf Hellrich einen dynamischen Prozess, der den Wiederaufbau weiter begleiten und in seiner Koordination ständig verbessern soll.

Gute Nachrichten gibt es auch von der Ausbildungsberatung der Handwerkskammer Koblenz: Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse im Landkreis Ahrweiler, in dem auch die rund 600 Betriebe des direkten Ahrtals liegen, ist tatsächlich gestiegen. „Die gelegentlich geäußerte Befürchtung, Ausbildung spiele für das Ahr-Handwerk nach den Auswirkungen der Flut nun erst mal nur eine Nebenrolle, wird durch die Zahlen deutlich widerlegt“, sagt Hellrich. Waren es im Vorjahr 256 neue Ausbildungsverhältnisse, so sind es zum 31. September 2021 sogar 272.

„Hochwasserbedingte Lehrabbrüche gab es in keinem einzigen Fall“, weiß die zuständige Beraterin Claudia Wildermann aus der Praxis. Ganz im Gegenteil: Es gibt Fälle, da wurde gerade über Aufräum- und Reinigungsarbeiten eine erstklassige Bewerbung in den zerstörten Handwerksbetrieben „eingereicht“.

In der Tischlerei Rönnefarth (Dernau) stand das Wasser drei Meter hoch. Doch jetzt hat Maik Rönnefarth (Mitte) sogar einen Lehrling mehr eingestellt, der sich mit seinem Einsatz empfahl.
In der Tischlerei Rönnefarth (Dernau) stand das Wasser drei Meter hoch. Doch jetzt hat Maik Rönnefarth (Mitte) sogar einen Lehrling mehr eingestellt, der sich mit seinem Einsatz empfahl.
Foto: Klaus Herzmann

So auch in der Tischlerei Rönnefarth (Dernau). „Einer unserer Praktikanten hat sich mit vollem Einsatz und viel Motivation so stark eingesetzt, dass wir ihn entgegen unserer ursprünglichen Planung als vierten neuen Lehrling eingestellt haben“, berichtet Tischlermeister Maik Rönnefarth. Der 23-jährige Jan Schreiner ergänzt nun die „Holzwürmer“-Truppe.

Und auch die Bäckerei von Wido Ockenfels in Mayschoß sendet eindeutig positive Nachrichten – in Geruchsform und verursacht durch frisches Backwerk: Nach der Flut werden nun wieder frische Brötchen und Brot in der Traditionsbäckerei hergestellt. „Das war beim Anblick meiner Verkaufs- und Produktionsräume am Tag nach der nächtlichen Flut so überhaupt nicht vorstellbar“, räumt der 46-jährige Bäckermeister ein, der seit 2006 in Mayschoß lebt und arbeitet.

Doch wie viele andere auch ging er nach der Katastrophe direkt in die Offensive: Aufräumen, Putzen, Instandsetzen und Weitermachen, das war angesagt. In der Nacht zum 6. Oktober kehrte dann ein Stückchen Normalität zurück in seine Backstube, und die Knetmaschinen, wie auch die Öfen liefen. Am Morgen gingen schließlich nach fast drei Monaten Zwangspause die ersten frischen Brötchen über den improvisierten Verkaufstresen an die wartenden – und dankbaren – Kunden.

Weitere Informationen zu Hilfestellungen der Handwerkskammer (HwK) Koblenz für betroffene Handwerksbetriebe: hochwasserhilfe@hwk-koblenz.de oder über die Vor-Ort-Koordination, Thorsten Mey, Telefon 0261/398.127.