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Archivierter Artikel vom 29.01.2022, 08:00 Uhr
Berlin/Rheinland-Pfalz

Gebraucht stromern – eine gute Idee? Langes Warten auf neue E-Autos macht Gebrauchtwagen interessanter

Lange Lieferzeiten für E-Autos sind nichts Neues. In den vergangenen Jahren mussten Käufer bis zu einem Jahr auf das bestellte Fahrzeug warten. Inzwischen werden zwar viel mehr elektrische Autos produziert, aber die ebenfalls gestiegene Nachfrage nach ihnen – und auch die Chipkrise – hat die Lage eher noch verschlechtert. Ist ein gebrauchter Elektrischer eine gute Alternative?

Von Jochen Magnus
Gebrauchte E-Autos sind noch recht selten. Eine Reihe Teslas und neuerer Audis befinden sich bereits auf dem Markt.  Foto: Malinowski
Gebrauchte E-Autos sind noch recht selten. Eine Reihe Teslas und neuerer Audis befinden sich bereits auf dem Markt.
Foto: Malinowski

Wer derzeit auf der Suche nach einem gebrauchten Diesel oder Benziner ist, bemerkt schnell, dass die Preise stark angestiegen sind. Die Materialengpässe, die vergangenes Jahr auch konventionell angetriebene Neufahrzeuge rar werden ließen, haben die Gebrauchtwagenpreise in die Höhe getrieben. Die Verteuerung liegt laut Marktbeobachter DAT bei 5 bis 15 Prozent, laut der Onlineverkaufsplattform Autoscout24 sogar bei bis zu 18 Prozent. Doch für E-Auto-Interessenten gibt es eine gute Nachricht: Diese Fahrzeuge sind weniger von den Teuerungen betroffen.

Entwicklungsfortschritt entwertet gebrauchte E-Autos

Hauptgrund ist natürlich die massive Förderung der neuen E-Fahrzeuge, die dadurch bis zu 9000 Euro günstiger werden, was Gebrauchte entsprechend entwertet. Ein weiterer Grund ist der rasante technische Fortschritt beim E-Auto-Bau, der ältere Fahrzeuge dieser Art auch in technischer Hinsicht zuweilen alt aussehen lässt: kleinere Batterien, langsamere Aufladung, weniger raffinierte Ausstattungen.

Martin Weiss von DAT sagt dazu: „Bei Elektroautos sehen wir diese Preissteigerungen nicht – hier sind die Gebrauchtwagenpreise weiterhin unter Druck.“ Etwas entspannter sieht es Jürgen Rutkowski, Innungsobermeister des Kraftfahrzeuggewerbes Unterlahn, der selbst bei der Auto Bach Gruppe in Diez/Limburg arbeitet: „Die Preise der elektrischen Gebrauchten sind stabiler geworden, vielleicht ein bisschen weniger als bei den Verbrennern.“ Das Angebot an elektrischen Autos ist vorhanden und lässt sich auch gut verkaufen, so Rutkowski. In seinem Fall überwogen gebrauchte Verbrenner im vergangenen Jahr die elektrischen im Verhältnis 40 zu 1.

Fast alle E-Neuwagen sind Geschäftsfahrzeuge

„Das Angebot ist noch gering“, meint Christof Frank von Mercedes-Benz und Smart-Händler KBM in Neuwied. Derzeit sei auch die Nachfrage aufgrund der Neuwagenförderung noch sehr gering. „Mit zunehmender Verfügbarkeit von Fahrzeugen werden die Preise attraktiver“, prognostiziert er. Das kann aber noch etwas dauern, denn wenn weniger Neuwagen verkauft werden können, rutschen auch weniger Fahrzeuge in den Gebrauchtmarkt nach. „90 Prozent der elektrischen Neuwagen sind Geschäftsfahrzeuge“, weiß Rutkowski. Das sind Autos, die normalerweise recht schnell als junge Gebrauchte angeboten werden, so der Fachmann. Und die fehlenden Neuwagen von heute fehlen morgen auf dem Gebrauchtmarkt.

Gibt es beim Kauf eines gebrauchten E-Autos besondere Risiken? Unsicherheiten bestehen vor allem hinsichtlich der Leistungsfähigkeit der Akkus, stellt der ADAC fest. Andererseits sieht der Automobilklub, dass E-Autos weniger Verschleißteile als ein Auto mit Verbrennungsmotor haben: kein kompliziertes Getriebe, keine Abgasreinigung, keinen Auspuff und keinen Motorkühler zum Beispiel. Insgesamt halten sich die Risiken wohl die Waage. Der ADAC rät, sich Prüfprotokolle über den Batteriezustand vorlegen zu lassen. Doch momentan wird der Batteriezustand meist von der Fahrzeugsoftware selbst ermittelt und ist keine physikalische Messung – an solchen Verfahren wird noch gearbeitet.

Gebrauchtwagenkauf braucht finanziellen Anreiz

Immerhin stellen die Hersteller Batteriezertifikate aus, die Fahrleistungen bis 100.000 (Mercedes) oder gar 192.000 Kilometer (Tesla) oder Lebenszeiten bis acht Jahre mit einer festgelegten Restkapazität garantieren. Renault stellt neuerdings Zertifikate über die verbleibende Energiekapazität ihrer Antriebsbatterie aus. Aber auch hier stammen die Daten aus dem Batteriemanagementsystem der Fahrzeuge selbst.

Christof Frank von KBM wünscht sich Unterstützung bei den gebrauchten Elektrischen: „Wenn die Mobilitätswende erfolgreich umgesetzt werden soll, ist ein finanzieller Anreiz beim Gebrauchtwagenkauf unabdingbar.“ Momentan kann eine ungefähr halbierte Mobilitätsprämie für Gebrauchte nur in seltenen Fällen beantragt werden: So darf der Wagen maximal zwölf Monate erstzugelassen, höchstens 15.000 Kilometer gefahren und noch nicht durch den Umweltbonus oder eine vergleichbare Maßnahme in einem anderen EU-Staat gefördert worden sein. Jochen Magnus

Dank THG-Quote bis zu 400 Euro pro Jahr mit dem eigenen E-Auto verdienen

Seit Jahresbeginn können Fahrzeughalter mit ihren rein elektrisch angetriebenen Autos jährlich von der sogenannten THG-Quote profitieren. Für ihre Einsparung von CO2-Emissionen können sie sich registrieren lassen und sie etwa an Mineralölunternehmen verkaufen, so der Auto Club Europa (ACE). Denn solche Unternehmen müssten nun eine Treibhausgas-Minderungsquote (THG-Quote) erreichen.

Da die Quotenscheine aber nicht einzeln angekauft werden, hat sich ein wachsender Markt von aktuell rund 30 Anbietern gebildet. Darüber läuft der Verkauf gebündelt.

Je nach Anbieter werden aktuell zwischen rund 250 und 400 Euro ausgeschüttet. Das geht einmal im Jahr und gilt nicht bei Hybridfahrzeugen.

Seinen Anbieter sollte man in Ruhe und sorgsam aussuchen. Eile ist dabei nicht geboten, Anmeldefrist ist erst am Jahresende. Wer deutlich kürzere Meldefristen setzt, sollte daher kritisch betrachtet werden.

Vorsicht ist laut ACE angebracht, wenn besonders lange Vertragsbindungen oder Festbeträge im Spiel sind. Denn es sei davon auszugehen, dass die Marktpreise steigen – es profitierten dann nur die Anbieter. Gut seien Angebote, die neben einer Garantiezahlung einen zusätzlichen Gewinn bieten und die Provision offenlegen. Üblich sind etwa 15 Prozent.

Wirtschaft
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