Mainz

Biontech produziert noch mehr Impfstoff: So viele Milliarden Dosen sind geplant

Der Mainzer Corona-Impfstoffhersteller Biontech und sein US-Partner Pfizer peilen eine Ausweitung ihrer Produktionskapazität auf 2,5 Milliarden Dosen bis Ende dieses Jahres an. Das teilte das Mainzer Unternehmen bei der Vorlage seiner Geschäftszahlen für 2020 mit. Bislang war von zwei Milliarden Dosen die Rede.

Von Michael Bauer

In der Produktionsanlage von Biontech in Marburg wird der begehrte Impfstoff produziert. Das Mainzer Unternehmen will seine Kapazitäten bis Ende des Jahres auf 2,5 Milliarden Impfdosen ausweiten. Die Anleger dürfte das freuen, genau wie das überaus positive Geschäftsergebnis von 2020.  Fotos: dpa
In der Produktionsanlage von Biontech in Marburg wird der begehrte Impfstoff produziert. Das Mainzer Unternehmen will seine Kapazitäten bis Ende des Jahres auf 2,5 Milliarden Impfdosen ausweiten. Die Anleger dürfte das freuen, genau wie das überaus positive Geschäftsergebnis von 2020. Fotos: dpa
Foto: picture alliance/dpa/© BioNTech SE 2020, all rights reserved

„Der Anstieg wurde hauptsächlich ermöglicht durch verbesserte Herstellungsprozesse, die Inbetriebnahme von Biontechs Produktionsstätte in Marburg, die Zulassung der Entnahme einer sechsten Impfdosis sowie durch die Erweiterung unseres Hersteller- und Lieferantennetzwerks“, erklärte das Unternehmen.

Bis zum 23. März lieferten Biontech und seine Partner weltweit mehr als 200 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs aus. Und das Auftragsbuch ist prall gefüllt: Für dieses Jahr haben Biontech und Pfizer nach eigenen Angaben feste Bestellungen über mehr als 1,4 Milliarden Dosen. Die größten Kunden sind die EU mit 500 Millionen bestellten Dosen plus eine Option auf weitere 100 Millionen, danach folgen die USA mit 300 Millionen Dosen. Der Impfstoff ist inzwischen in mehr als 65 Staaten zugelassen. „Wir sehen bereits erste Anzeichen dafür, dass sich die Zahl der Covid-19-Fälle und Sterblichkeit in mehreren Ländern im Zusammenhang mit der Impfung reduziert“, sagte Vorstandschef und Unternehmensmitgründer Ugur Sahin, der von einem „transformativen Jahr“ für sein Unternehmen sprach. Biontech gelang die Entwicklung und Zulassung des weltweit ersten Impfstoffs auf Basis von Boten-Ribonukleinsäuren (mRNA). Das Vakzin gilt aktuell als das Topprodukt unter den zehn Corona-Impfstoffen, die weltweit bisher eine Zulassung erhalten haben.

Die große Nachfrage nach dem Impfstoff beginnt sich nun auch positiv auf die Geschäftszahlen des Mainzer Unternehmens auszuwirken. So stieg der Umsatz in dem Ende Dezember abgeschlossenen Geschäftsjahr auf 482,3 Millionen Euro nach 108,6 Millionen im Jahr davor. Darin enthalten sind Erlöse in Höhe von 270,5 Millionen Euro durch den Covid-19-Impfstoff. Der Nettogewinn stieg auf 15,2 Millionen Euro, verglichen mit einem Nettoverlust von 179,2 Millionen im Jahr 2019.

Besonders auffällig ist die Entwicklung im vierten Quartal: In diesem Zeitraum, in dem der Impfstoff in den USA, in Großbritannien und der EU zugelassen wurde, lag der Nettogewinn bei 366,9 Millionen Euro, verglichen mit einem Nettoverlust von 58,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Doch die wirklichen Auswirkungen auf das Geschäft werden erst jetzt und nicht beim Blick in die Vergangenheit klar. Finanzvorstand Sierk Poetting sagte am Dienstag auf einer Analystenkonferenz, Biontech gehe für dieses Jahr allein auf der Basis der bislang unterzeichneten Lieferverträge von 9,8 Milliarden Euro Umsatz aus. Dem stehen allerdings auch gestiegene Ausgaben für Forschung und Entwicklung und die Stand Ende Dezember auf 1900 gestiegene Zahl von Mitarbeitern gegenüber. Dennoch wird das Mainzer Unternehmen voraussichtlich zum drittgrößten deutschen Pharmahersteller nach Bayer und Boehringer Ingelheim aufsteigen und vor der Darmstädter Merck-Gruppe liegen.

Das Geld, das nun in die Kasse gespült wird, will Biontech ins laufende Geschäft und vor allem in die Forschung stecken. „Wir sehen eine enorme Chance darin, Einnahmen aus unserem Covid-19-Impfstoff in die Forschung zu reinvestieren“, sagte Vorstandschef Sahin. Biontech treibe die Entwicklung seiner Ansätze für „Immuntherapien der nächsten Generation“ weiter voran. Dabei geht es um individualisierte Krebstherapien, Infektionskrankheiten, regenerative Therapien, Entzündungsreaktionen, Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose und Allergien.

Foto: dpa

Zudem untersucht Biontech seinen Corona-Impfstoff, der bislang für Personen ab 16 Jahren zugelassen ist, bei weiteren Gruppen. Vor Kurzem startete eine Studie zur Nutzung des Covid-19-Impfstoffs bei Kindern im Alter von sechs Monaten bis zwölf Jahren.

Die Börse reagierte positiv auf die Unternehmenszahlen. An der New Yorker Nasdaq legte der Kurs der Biontech-Aktie bis 16.15 Uhr MESZ um gut 5 Prozent auf 100,62 Dollar zu. Damit ist der Wert einer Biontech-Aktie seit dem Börsengang des Unternehmens im Oktober 2019 um mehr als das Sechsfache gestiegen.

Von Michael Bauer

Wir sehen eine enorme Chance darin, Einnahmen aus unserem Covid-19-Impfstoff in die Forschung zu reinvestieren.

Vorstandschef Ugur Sahin